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Rathaus (12.3.1938)
Beim Einmarsch deutscher Truppen besucht Adolf Hitler seine „Jugendstadt“. Während ihm zehntausende Menschen am Hauptplatz zujubeln, werden NS-GegnerInnen bereits inhaftiert, geschlagen und ermordet.
Rathaus (1.1.1944)
Franz Langoth wird Oberbürgermeister von Linz. Lange hält sich nach 1945 der Mythos von Langoths Einsatz für eine kampflose Übergabe von Linz, der zu einem Gutteil auf einer Berichtsfälschung beruht.
Rathaus (1939)
Mitarbeiter des Wahl- und Einwohneramts erstellen eine „Liste der Rassenjuden“. Sie liefert die Grundlage für die rassistische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung von Linz.
Hauptplatz (19.2.1939)
Beim Faschingsumzug zeigt sich der tief sitzende Antisemitismus: Die bösartigen Karikaturen von Juden durch verkleidete Linzer finden besonderen Beifall.
Nibelungenbrücke (Juni 1938 – Sommer 1940)
Als Baustoff für die Nibelungenbrücke kommt unter anderem Granit zum Einsatz, der im nahe gelegenen KZ Mauthausen unter brutalsten Bedingungen abgebaut wird.
Hauptstraße 16 (19.3.1938)
Alexander, Eduard und Friederike Spitz, die InhaberInnen der Weinhandlung Ferihumer, begehen Selbstmord. Auch andere Menschen jüdischer Herkunft sehen in diesen Tagen nur im Freitod einen Ausweg.
Rudolfstraße 6-8 (1938 – 1942)
Der Besitz der Familie M. wird „arisiert“ und von Franz Peterseil, Gauinspektor der NSDAP, übernommen. Er war zuvor Chauffeur bei M. Leopold M. wird als 99-jähriger nach Theresienstadt deportiert.
Rudolfstraße 18 (1941 – 1945)
Franz Tschaff organisiert als Leiter der Abteilung „Arbeitereinsatz“ auch Arbeitsaufträge für ZwangsarbeiterInnen. Für den Bau der Luftschutzkeller setzt das Stadtbauamt KZ-Häftlinge ein.
Altstadt 3 (1941)
Die elfjährige Pauline H. meldet ihre Nachbarn wegen Abhören eines Feind­senders. Ein Opfer der Denunziation, Josefa F., wird zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt.
Altstadt 12 (21.5.1938)
Hans A. besucht die 2. Klasse Volksschule in Kleinmünchen. Im Mai muss er in die neu gegründete „Judenschule“ in der Altstadt wechseln, die nach dem Novemberpogrom aufgelöst wird.
Landhaus (Februar 1945)
Landrat Adolf Dietscher formiert eine „Volkssturm“-Truppe zur Verfolgung der rund 500 aus dem KZ Mauthausen entflohenen sowjetischen Kriegsgefangenen – die so genannte „Mühlviertler Hasenjagd“.
Landhaus (1944)
Elmira Koref ersucht Gauleiter Eigruber vergebens um die Freilassung ihres inhaftierten Mannes. Ernst Koref wird am 7. Mai 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht als Bürgermeister eingesetzt.
Ecke Hauptplatz/Schmidtorgasse (15.3.1938)
Das Warenhaus Kraus & Schober wird von der NS-Propaganda als Symbol „jüdischen Wuchers“ attackiert und zugunsten der NSDAP „arisiert“. Der frühere Besitzer begeht im KZ Dachau Selbstmord.
Landstraße 18-20 (1942 – 1943)
Der Gelegenheitsdieb Alois G. stiehlt hier, vor dem Gasthaus „Zur Goldenen Kanone“, ein Fahrrad. Er wird erwischt. Als „Schädling der Volksgemeinschaft“ wird er zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Graben 30 (15.3.1938)
Der Zahntechniker Heinrich S. verwehrt sich in einer Annonce gegen den Verdacht, er sei Jude. Wie er, weisen unmittelbar nach dem „Anschluss“ viele Geschäftsleute ihren Betrieb als „arisch“ aus.
Marienstraße 8 (April 1945)
Anton A. ist Abteilungsleiter bei der Stadtverwaltung und kritisiert die Exekution zweier „Ostarbeiterinnen“ wegen Milchdiebstahls als unmenschlich. Er wird zum Tode verurteilt und erschossen.
Landstraße 31 (1940/41)
Ordensschwester Kamilla wirft einem französischen Kriegsgefangenen ein Paar wollene Strümpfe aus dem Fenster des Klosters zu. Sie wird zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt.
Ursulinenhof (April 1945)
Die Wehrmachtssanitätshelferin Stefanie L. wartet wegen unerlaubter Entfernung vom Dienst im Wehrmachtsgefängnis Ursulinenhof auf ihren Prozess. Sie wird zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Landstraße 49 (1939 – 1944)
Oskar H., Präsident der Industrie- und Handelskammer, ist für die „Arisierung“ jüdischer Betriebe verantwortlich. Er bereichert sich auch persönlich als „Ariseur“.
Mozartstraße 6-10 (1941)
Im Polizeigefängnis wartet die Magd Katharina G. auf ihren Prozess wegen einer sexuellen Beziehung zu einem französischen Kriegsgefangenen. Sie wird zu einem Jahr Haft verurteilt.
Bischofstraße 3 (1914 – 1933)
Hier verbringt Adolf Eichmann seine Jugend. In der NS-Zeit organisiert er die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Er ist mitverantwortlich für die Ermordung von rund 6 Millionen Menschen.
Bischofstraße 7 (18.3.1938)
Der Rechtsanwalt Karl Schwager, Vorsitzender der Kultusgemeinde, wird kurz nach dem „Anschluss“ verhaftet. Er kommt mit der Auflage frei, das Land zu verlassen. 1939 wandert er nach Palästina aus.
Herrenstraße 19 (1943)
Franz Jägerstätter sucht Rat bei Bischof Fließer – er kann den Kriegsdienst für Hitler nicht mit seinem Glauben vereinbaren. Jägerstätter wird als Wehrdienstverweigerer am 9.8.1943 hingerichtet.
Spittelwiese 5 (12.3.1938)
Am Tag des „Anschlusses“ besetzen Nationalsozialisten die Druckerei Gutenberg und benennen sie in „NS-Druckerei und Verlag Linz“ um. Am 13. März erscheint die erste Ausgabe des NS-Kampfblattes „Arbeitersturm“.
Landestheater (September 1944)
33 Bedienstete des Landestheaters – Schauspieler, Musiker, Bühnenarbeiter – werden vom Arbeitsamt zur Bewachung von KZ-Häftlingen in den Linzer Nebenlagern des KZ Mauthausen „notdienstverpflichtet“.
Landestheater Linz (1943 – 1945)
Franz Léhars „Land des Lächelns“ feiert Publikumserfolge. Der jüdische Librettist des Stücks, Fritz Beda-Löhner, bleibt ungenannt. Er ist am 4. Dezember 1942 im KZ Auschwitz ermordet worden.
Klammstraße 7 (25.9.1944)
Camilla E. hilft Kriegsgefangenen mit Essen und Kleidung. Sie verbreitet Weissagungen über das nahe Ende des „Dritten Reiches“. Eine anonyme Anzeige führt zu ihrer Verhaftung und Hinrichtung.
Märzenkeller (Februar 1944 – April 1945)
Etwa 250 Häftlinge aus dem Nebenlager Linz II des KZ Mauthausen werden zum Bau von Luftschutzkellern und für die Entschärfung von Blindgängern nach Luftangriffen eingesetzt.
„Aphrodite-Tempel“ Bauernbergpark (1942)
Die „Aphrodite“ wird von Kunststudierenden im Mai 2008 verhüllt, um daran zu erinnern, dass sie ein Geschenk Hitlers an Linz war. Die Stadt Linz entfernt daraufhin die Statue.
Stockbauerstraße 11 (August 1938)
Hermann S. ist Rechtsanwalt und war bis 1934 Gemeinderatsmitglied der Sozialdemokratischen Partei. Seine Villa wird zugunsten des Gaus eingezogen und an Johanna Eigruber, Frau des Gauleiters, verkauft.
Robert-Stolz-Straße 12 (1939 – 1944)
Die Jüdin Ida B. flieht aus der Ukraine. Sie arbeitet unter einem Decknamen als Haushälterin bei einem SS-Sturmbannführer. 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert.
Hauptbahnhof (16.6.1938)
Als Regimegegner werden oberösterreichische Politiker und Intellektuelle unter brutalsten Misshandlungen der SS-Wachmannschaften in das KZ Dachau deportiert.
Hauptbahnhof (1941)
Die beiden Löwen werden vom NS-Regime beim Halleiner Steinmetz Jakob Adelhart in Auftrag gegeben. 1999 erklärt der Linzer Gemeinderat sie nach Diskussionen für ideologisch unbedenklich.
Unionkreuzung (1942)
Eduard C. baut gemeinsam mit anderen Lehrlingen eine kommunistische Widerstandsgruppe innerhalb der Reichsbahn auf, die antifaschistische Flugblätter verbreitet und Sabotageakte verübt.
Wiener Straße 150 (Oktober – November 1945)
Hier trifft sich jeden Samstag das „Haarabschneiderkommando“ – hunderte ehemalige HJ-Mitglieder –, um Frauen zu bedrohen, die angeblich engeren Kontakt zu amerikanischen Soldaten pflegen.
Wiener Straße 545-549 (1938)
In der neu errichteten Kaserne werden SS-Totenkopfverbände zur Bewachung des KZ Mauthausen untergebracht. Ab 1940 dienen sie als Umsiedlerlager, nach 1945 als Lager „Davidstern“ für jüdische DPs.
Dauphinestraße (1942 – 1945)
In der Kleinmünchner Spinnerei befindet sich eines von sechs Linzer „Ostarbeiter“-Lagern für Frauen: 1944 sind 51% der „Ostarbeiter“ weiblich.
Siemensstraße (27.4.1945)
Gisela T. wird 1944 als kommunistische Widerstandskämpferin verhaftet. Wenige Tage vor Kriegsende wird sie hier, im Arbeitserziehungslager Schörgenhub, erschossen.
Ramsauerstraße/Uhlandstraße (Oktober 1945 – 1950)
Im Lager Bindermichl werden nach der Befreiung jüdische „Displaced Persons“ untergebracht – aus KZs befreite Jüdinnen und Juden. Sie warten auf Visa für Einwanderungsländer, vor allem in die USA und nach Palästina.
Siedlung Spallerhof/Muldenstraße (1938 – 1945)
Für ArbeiterInnen der Rüstungsbetriebe werden neue Wohnungen gebaut. Um eine zugesprochen zu bekommen, müssen die AnwärterInnen eine „rassenhygienische Untersuchung“ über sich ergehen lassen.
Niedernharter Straße 10 (1938 – 1945)
In der Landesheil- und Pflegeanstalt Niedernhart werden rund 800 geistig und körperlich behinderte Menschen als „lebensunwert“ kategorisiert und brutal ermordet.
Katzenau, alter Lagerplatz der Familie Kerndlbacher (1938)
Hier wird Rosa W. verhaftet, weil sie eine Sintiza ist. Im Lager Maxglan wählt Leni Riefenstahl sie als Statistin aus, nach einem Fluchtversuch kommt sie ins KZ Ravensbrück. 1945 kann sie entkommen.
Krankenhausstraße 9 (Mai 1943 – Mai 1945)
Im AKH und in der Landesfrauenklinik Linz werden in diesem Zeitraum mindestens 972 Zwangsabtreibungen durchgeführt. Opfer sind vor allem „Ostarbeiterinnen“.
Kaplanhofstraße 40 (1944 – 1945)
Vom Frauengefängnis Kaplanhof gehen regelmäßig Transporte von politischen Gegnerinnen in verschiedene Konzentrationslager ab, etwa in das KZ Ravensbrück.
Untere Donaulände 74 (1944)
Josef T. formiert in der Tabakfabrik eine kommunistische Widerstandsgruppe. Er wird im KZ Mauthausen auf Befehl des Gauleiters kurz vor der Befreiung gemeinsam mit anderen erschossen.
Donaulände (April 1945)
Bei den „Todesmärschen“ kommen tausende KZ-Häftlinge auf Frachtkähnen nach Linz, um weiter ins KZ Ebensee getrieben zu werden. Viele kommen dabei ums Leben.
Donaulände/Zollamtstraße 6 (13.3.1938)
Nach dem „Anschluss“ kommt es zu gewalttätigen Angriffen auf die jüdische Bevölkerung. Im Café „Olympia“ wird Ernst S. unter dem Beifall einer riesigen Menschenmenge misshandelt und verhaftet.
Lederergasse 20 (1943)
Die Lehrerin Hermine L. schreibt mehrere regimekritische Briefe an ihren Bruder Walter, der als Wehrmachtssoldat in Wien stationiert ist. Beide werden zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Museumstraße 14 (1941 – 1945)
Geraubte Kunst bildet eine Basis für das von Hitler geplante neue Kunstmuseum. Heinrich J. Sch., Leiter der Kunstgeschichtlichen Abteilung am Landesmuseum, ist aktiv am Sammlungsaufbau beteiligt.
Museumstraße 12 (April 1944)
Anna H. beschimpft Hitler und gibt ihm die Schuld am Ausbruch des Krieges. Sie wird in Linz zu 3 Jahren Haft verurteilt, das Berliner Reichsgericht dehnt die Haft auf 5 Jahre aus.
Museumstraße 12 (4.12.1940)
Die 68-jährige Zeugin Jehovas Rosa P. wird aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses und wegen „Wehrkraftzersetzung“ zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Museumstraße 12 (September 1938)
Franziska K. wird von ihrer Nachbarin denunziert. Der Besitz von Aktfotos ist ausschlaggebend für die Verurteilung als Homosexuelle: Sie verbüßt 4 Monate schweren Kerkers.
Fadingerstraße 4 (1913 – 1921)
Ernst Kaltenbrunner besucht hier die Oberschule. 1943 wird er Leiter des Reichssicherheitshauptamts. Er ist maßgeblich verantwortlich für die Ermordung von 6 Millionen Juden und Jüdinnen.
Bethlehemstraße 26 (9./10.11.1938)
In der Nacht dringt eine Einheit der SA in die Linzer Synagoge ein und setzt sie in Brand. Die Feuerwehr verhindert lediglich das Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude.
Hessenplatz (1944 – 1945)
Nach Luftangriffen brechen Aufräumkommandos, gebildet aus ZwangsarbeiterInnen, ZivilarbeiterInnen und KZ-Häftlingen, von hier zu Bergungsarbeiten auf.
Langgasse 13 (1938 – 1945)
Im Hauptquartier der Gestapo werden tausende GegnerInnen des NS-Regimes brutal gefoltert. Hier beginnt die Karriere Franz Stangls, der später in den KZs Sobibor und Treblinka Massenmorde organisiert.
Wurmstraße 7 (1939 – 1945)
Das Linzer Gesundheitsamt entscheidet im Sinne der NS „Erb- und Rassenpflege“ über etwa 1000 Zwangssterilisationen sowie Eheverbote und die Bekämpfung „Asozialer“.
Wurmstraße 11 (1940)
Das NS-Jugend- und Fürsorgeamt rühmt sich der hohen Zahl an Einweisungen von „Asozialen“ in Arbeits- und Zwangsarbeitslager. Der Leiter, Rudolf H., bleibt nach 1945 ein hoher Magistratsbeamter.
Gesellenhausstraße 21 (1936 – 1938)
Stefan Sch., fanatischer Nazi der ersten Stunde, verantwortet vor dem „Anschluss“ Produktion und Verbreitung des illegalen antisemitischen NS-Hetzblattes „Der Österreichische Beobachter“.
Volksgartenstraße 14 (Juni 1938)
Der Direktor der Blindenanstalt Johann Gruber wird wegen antinationalsozialistischer Äußerungen verhaftet, zu 3 Jahren schwerem Kerker verurteilt und 1944 im KZ Gusen ermordet.
Volksgartenstraße 18 (1938 – 1945)
83.000 Mitglieder zählen die NS-Frauenorganisationen in Oberdonau. Maria Sch., Leiterin der NS-Frauenschaft, seit 1932 illegales NSDAP-Mitglied, wird 1948 zu drei Jahren Haft verurteilt.
Volksgarten (7.9.1941)
Wegen sexueller Annäherung an einen Soldaten im Volksgarten wird Franz M. zu einem Jahr Kerker verurteilt, danach ins KZ Dachau überstellt und 1944 im Vernichtungslager Majdanek ermordet.
Schillerplatz 1 (März 1938)
Das Kolosseum-Kino wird von seinen jüdischen BesitzerInnen verpachtet, um die „Arisierung“ zu verhindern. Eine ehemalige Angestellte lässt den Tarnversuch auffliegen.
Schillerstraße 26 (9.3.1942)
„Wegen dem Scheiß-Führer haben wir kein Brot“, ruft Eleonore B. im Gasthaus „Zum Waldhorn“ wütend aus. Männer vom Stammtisch zeigen sie an. Sie wird zu 14 Monaten Haft verurteilt.
Goethestraße 63 (Sommer 1945 – 1954)
Simon Wiesenthal, Überlebender des KZ Mauthausen, spürt im Auftrag der amerikanischen Besatzer für die „Jüdische Historische Kommission“ NS-Kriegsverbrecher auf. Sein Zugang lautet: „Recht, nicht Rache“.