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1938 – 1942, Rudolfstraße 6-8

Der Besitz der Familie M. wird „arisiert“ und von Franz Peterseil, Gauinspektor der NSDAP, übernommen. Er war zuvor Chauffeur bei M. Leopold M. wird als 99-jähriger nach Theresienstadt deportiert.

Das Unternehmen der Brüder Mostny galt als die größte „jüdische“ Firma in Linz. Ihre Enteignung wurde von den Nazis regelrecht inszeniert: Im Mai 1938 beschlagnahmte die SA die Villa der Familie in der Ferihumerstraße 4, im Jahr darauf wurde ein Steuerverfahren gegen Erich Mostny eingeleitet. Für den Prozess holte man ihn extra aus dem KZ. Er wurde am 11. Februar 1939 aus Buchenwald nach Linz überstellt.

Dort wurde er verhört und das gesamte Vermögen der Familie als „staats- und parteifeindliches Vermögen“ eingezogen. Im Anschluss daran kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen „Parteigenossen“, die als „Ariseure“ des Mostny-Besitzes begünstigt werden wollten. Im Endeffekt konnte sich Franz Peterseil, SA-Schläger der ersten Stunde, durchsetzen. Er war früher als Chauffeur bei Mostny angestellt gewesen und sah in der Übernahme des Betriebes eine persönliche Revanche.

Leopold Mostny, Vater von Erich Mostny, war 25 Jahre lang deutschnationaler Abgeordneter im Gemeinderat Urfahr, weshalb ihn Gauleiter Eigruber vorerst vor Verfolgung schützte. 1942 wurde er jedoch in Abwesenheit Eigrubers als 99-jähriger nach Theresienstadt deportiert, wo er wenige Tage darauf verstarb (6. Oktober 1942). Er ist das älteste von über 200 Linzer Opfern der Shoah.

Literatur:

JOHN, Michael: „Bereits heute schon ganz judenfrei…“ Die jüdische Bevölkerung von Linz und der Nationalsozialismus. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Linz 2001, S.1311 – 1406.

ELLMAUER, Daniela; JOHN, Michael; THUMSER, Regina: „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Oberösterreich. (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, 17/1) Wien, München 2004.

Dokument:

Bericht der Gestapo an den Oberfinanzpräsidenten von Oberdonau vom 25. November 1943 über die Beschlagnahmung des gesamten Vermögens von Leopold Mostny. Dieser war ein Jahr zuvor im Ghetto Theresienstadt gestorben.

Oberösterreichisches Landesarchiv, Bestand Arisierungen.