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Sommer 1945 – 1954, Goethestraße 63

Simon Wiesenthal, Überlebender des KZ Mauthausen, spürt im Auftrag der amerikanischen Besatzer für die „Jüdische Historische Kommission“ NS-Kriegsverbrecher auf. Sein Zugang lautet: „Recht, nicht Rache“.

Wenige Wochen nach Kriegsende wurde in der Goethestraße 63 die „Jüdische Historische Kommission“ als Anlaufstelle für jüdische „Displaced Persons“ eingerichtet. Dort sammelten vier hauptamtliche MitarbeiterInnen Material zur Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden während der NS-Herrschaft. Unter Leitung des aus dem KZ Mauthausen befreiten Simon Wiesenthal entwickelte sich daraus die Jüdische Historische Dokumentation, deren Ziel das Aufspüren von NS-Kriegsverbrechern war.

Wiesenthal wurde 1941 in Lemberg verhaftet. Seine Familienangehörigen wurden ermordet. Er war in mehreren Gefängnissen und KZs inhaftiert, zuletzt in Mauthausen, wo er am 5. Mai 1945 aus dem so genannten „Todesblock“ befreit wurde. Sein Zugang zur Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern lautete „Recht, nicht Rache“. In diesem Sinne arbeitete er daran, NS-Verbrecher vor Gericht zu stellen. Schon am 20. Mai 1945 konnte er den Amerikanern eine Liste mit 91 Naziverbrechern übergeben, er war auch an der Suche nach Adolf Eichmann maßgeblich beteiligt.

In seiner Autobiographie beschreibt Wiesenthal seine Arbeit in Linz: „Wenn Sonntag ein Regentag war und die Leute zu Hause gesessen sind, wissen Sie, was sie gemacht haben? Haben ihre Nachbarn angezeigt in anonymen Briefen an uns. Am Montag: Waschkörbe! Nur wenn der Sonntag ein Regentag war! Ja, es war so. Es gab hunderte Informanten, die vorbeikamen.“

Literatur:

WIESENTHAL, Simon: Recht, nicht Rache. Erinnerungen. Wien u.a. 1988.

JOHN, Michael: Displaced Persons in Linz. „Versetzte Personen“ und Flüchtlinge der Nachkriegszeit. In: KATZINGER, Willibald; MAYRHOFER, Fritz (Hg.): Prinzip Hoffnung. Linz zwischen Befreiung und Freiheit. Linz 1995, S. 213 - 230.

Dokument:

Interview mit Simon Wiesenthal über die Befreiung des KZ Mauthausen und seine Tätigkeit in Linz.
Am Anfang des Weges: Simon Wiesenthal zum Aufbau des Jüdischen Dokumentationszentrums in Linz. Interview. In: Arche, Heft 9, Linz 1995, S. 8 -13.

Foto:

Auskunftszentrale für Displaced Persons, kurzzeitig Büro der „Jüdischen Historischen Dokumentation“ Simon Wiesenthals. 1946.

Archiv der Stadt Linz