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März 1938, Schillerplatz 1

Das Kolosseum-Kino wird von seinen jüdischen BesitzerInnen verpachtet, um die „Arisierung“ zu verhindern. Eine ehemalige Angestellte lässt den Tarnversuch auffliegen.

Das Kolosseum-Kino war das traditionsreichste Lichtspieltheater der Stadt. In den 1920er Jahren befand es sich noch in der Mozartstraße. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise musste die „Kolosseum-Gesellschaft“ das große Gebäude mit Varieté-Theater und Hotel jedoch verkaufen und baute ein neues Kinogebäude am Schillerplatz. Seit der Eröffnung im Oktober 1936 war es das beliebteste Kino in Linz.

Ab 1. Jänner 1938 gehörte dieses Kino dem Ehepaar Alfred und Elsa Epstein sowie Friederike Sela-Hedin Bey und galt für die Nazis somit als „jüdischer Besitz“. Der Versuch, das Kino durch die Verpachtung an einen „arischen“ Direktor zu „tarnen“, scheiterte: Eine ehemalige Angestellte des Kinos informierte den Gauwirtschaftsberater über diesen „Tarnversuch“. Der Direktor, Ludwig Marx, habe, obwohl er über die jüdischen BesitzerInnen des Kinos Bescheid gewusst hätte, am 12. März die Hakenkreuzfahne gehisst und sich fälschlicherweise als Parteimitglied und kommissarischer Verwalter ausgegeben. Er wurde des Amtes enthoben, ein neuer kommissarischer Verwalter wurde eingesetzt.

Ab 2. August 1938 unterstanden sämtliche ehemals „jüdischen Filmtheater“ auf österreichischem Gebiet der Wiener Außenstelle der Reichsfilmkammer. Das Kolosseum-Kino wurde dem NSDAP-Mitglied Hermann Kube als kommissarischem Geschäftsführer übergeben.

Literatur:

JOHN, Michael: Beschlagnahmte Vermögen und „Arisierungen“ in Linz. In: Bericht über den achtzehnten Österreichischen Historikertag. Innsbruck, Wien 1991, S. 86 – 96.

Dokument:

Die Gauleitung der NSDAP berichtet am 9. November 1938 der „Vermögensverkehrsstelle für kommissarische Verwaltung“ in Wien – einer der zentralen Institutionen zur „Arisierung“ bzw. Enteignung jüdischen Vermögens – über den „Tarnversuch“ des Kolosseum-Kinos. Der Akt enthält zahlreiche Schriftstücke, die die Auseinandersetzung zwischen der Reichsfilmkammer und lokalen NSDAP-Funktionären um die kommissarische Leitung des Kinos dokumentieren.

Oberösterreichisches Landesarchiv Israelitische Kultusgemeinde Linz, Sch. 6, Akt Kolosseum, Kino Epstein.

Foto:

Kolosseum Kino, Schillerplatz. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz