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7.9.1941, Volksgarten

Wegen sexueller Annäherung an einen Soldaten im Volksgarten wird Franz M. zu einem Jahr Kerker verurteilt, danach ins KZ Dachau überstellt und 1944 im Vernichtungslager Majdanek ermordet.

Franz M., der bereits 1939 wegen sexueller Handlungen „wider die Natur“ zu einer achtmonatigen Kerkerstrafe verurteilt worden war, sprach nachts im Volksgarten einen jungen Soldaten an. Im Laufe des Gesprächs versuchte er sich ihm anzunähern, der Soldat gab zu Protokoll, M. hätte ihn unsittlich berührt. Daraufhin wurde M. von ihm und einem weiteren Soldaten brutal zusammengeschlagen und dann der Polizei übergeben. Von dieser wurde er wegen seiner Verletzungen – einer blutenden Wunde am Kopf, einem stark geschwollenen Auge und lockeren Zähnen – ins Krankenhaus gebracht. Erst nach vier Tagen war er vernehmungsfähig.

M. wurde am 23. Oktober 1941 zu einem Jahr Haft verurteilt. Nach der Verbüßung einer einjährigen Gefängnisstrafe in Garsten und Göllersdorf folgte im Oktober 1942 die Überstellung als „Sicherheitsverwahrter“ in das KZ Dachau. Damit war er durchaus kein Einzelfall – viele Homosexuelle wurden nach Ablauf ihrer Gefängnisstrafe nicht entlassen, sondern in ein KZ überstellt.

Am 11. Jänner 1944 wurde M. mit einem Invalidentransport ins Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet.

Literatur:

KNOLL, Albert; BRÜSTLE, Thomas: Verfolgung von Homosexuellen in Oberösterreich in der NS-Zeit. In: Oberösterreichisches Landesarchiv (Hg.): Reichsgau Oberdonau. Aspekte 2. Linz 2003, S. 149 - 204.

MICHELER, Stefan (Hg.): Denunziert, verfolgt, ermordet: Homosexuelle Männer und Frauen in der NS-Zeit. Hamburg 2002.

Dokument:

Protokoll der Kriminalpolizei vom 7. September 1941. Aufnahme der Aussage zweier Wehrmachtssoldaten zu den Vorkommnissen im Volksgarten.

Oberösterreichisches Landesarchiv Landesgericht Linz, Sondergerichte, Sch 732.

Foto:

Volksgarten, Blick Richtung Volksgartenstraße. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz