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Juni 1938, Volksgartenstraße 14

Der Direktor der Blindenanstalt Johann Gruber wird wegen antinationalsozialistischer Äußerungen verhaftet, zu 3 Jahren schwerem Kerker verurteilt und 1944 im KZ Gusen ermordet.

Johann Gruber äußerte sich immer wieder öffentlich gegen die Nazis, weshalb zwei Lehrer gleich nach dem 12. März 1938 begannen, Beweise für seine staatsfeindliche Gesinnung und seine angebliche „Unsittlichkeit“ zu sammeln. Neben politischen Vergehen wurde ihm unsittliche Berührung von Zöglingen vorgeworfen. Am 10. Mai 1938 wurde Gruber in Polizeihaft genommen, vier Monate später wurde er zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Inzwischen waren in Linzer Tageszeitungen und im „Österreichischen Beobachter“ hetzerische Artikel über den „Fall Gruber“ erschienen, in denen der einst angesehene Direktor der Blindenanstalt als „Sittenstrolch“ verunglimpft wurde.

Nach zwei Jahren Haft wurde Gruber an die Gestapo überstellt, in Schutzhaft genommen und am 4. April 1940 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Von dort wurde er ins KZ Mauthausen, später ins Nebenlager Gusen gebracht. Im KZ konnte er durch Kontakte zu Zivilisten Informationen über die Vorkommnisse im Lager hinausschmuggeln.

Anfang März 1944 erfuhr die Wiener Gestapo von dem illegalen Informationsnetz Grubers. Er wurde nackt in den „Bunker“, das Gefängnis im KZ Gusen gesperrt. Dort wurde er vom Lagerführer des KZ Gusen, Fritz Seidler, brutal misshandelt und danach erschossen. Das Gusener Totenbuch führt ihn mit der Häftlingsnummer 43.050 und gibt als Todesursache „Freitod durch Erhängen“ am 7. April 1944 an.

Literatur:

http://www.dioezese-linz.at/ordinariat/dioezesanarchiv/biografien/gruber.asp

BANDION, Wolfgang: Johann Gruber. Mauthausen – Gusen, 7. April 1944. Wien 1995.

ZINNHOBLER, Josef: Kirche und Nationalsozialismus in Linz. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 1. Linz 2001, S. 937 – 1024.

Dokument:

Schreiben der NSDAP, Kreisleitung Linz, an den Landesschulrat in Oberösterreich vom 6. Dezember 1938, wonach Dr. Gruber „politisch, sowie moralisch für den ns-Staat untragbar ist“.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 13412.  

Foto:

Blindeninstitut in der Blumauerstraße, später in die Volksgartenstraße verlegt. Undatiert.

Stadtmuseum Nordico