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19.3.1938, Hauptstraße 16

Alexander, Eduard und Friederike Spitz, die InhaberInnen der Weinhandlung Ferihumer, begehen Selbstmord. Auch andere Menschen jüdischer Herkunft sehen in diesen Tagen nur im Freitod einen Ausweg.

In den Wochen nach dem „Anschluss“ begingen zahlreiche verzweifelte Linzer Juden und Jüdinnen Selbstmord. Die Brüder Alexander und Eduard Spitz etwa, die in Urfahr, Hauptstraße 16, die Weinhandlung Ferihumer betrieben, sahen im Freitod die einzige Möglichkeit, dem Schrecken der willkürlichen Gewalt, der Enteignung und Entrechtung zu entgehen. Sie erhängten sich am 19. März 1938 gemeinsam mit ihrer Mutter Friederike Spitz in deren Wohnung. Auch Max E., Gisela M., Adolf M., Bernhard P., Jakob T. und Robert W. sahen im Selbstmord den einzigen Ausweg.

Simon Wiesenthal berichtet außerdem vom Fall des ungarischen Staatsbürgers jüdischer Herkunft Max Farago. „Ein Illegaler [Nationalsozialist] namens A. Johann hat Farago ständig bedroht, weshalb er am 13. April 1934 wegen Verbrechens der gefährlichen Drohung zu einem Monat schweren Kerkers, verschärft durch einen Fasttag, verurteilt wurde. Nach der Besetzung Österreichs hat A. sofort Max Farago aufgesucht und da dieser nicht mehr flüchten konnte, hat er sich vor Verzweiflung erhängt.“

Literatur:

JOHN, Michael: „Bereits heute schon ganz judenfrei…“ Die jüdische Bevölkerung von Linz und der Nationalsozialismus. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 2. Linz 2001, S. 1311 – 1406.  

JOHN, Michael: Beschlagnahmte Vermögen und ‚Arisierungen‘ in Linz. In: Verband Österreichischer Geschichtsvereine (Hg.): Bericht über den achtzehnten Österreichischen Historikertag in Linz 1990. Wien 1991, S. 89-96.

Dokument:

Amtsvermerk der Gestapo Linz vom 16. Februar 1939. Knapp ein Jahr nach dem Selbstmord von Alexander, Eduard und Friederike Spitz wird deren gesamtes Vermögen zu Gunsten des Landes Oberösterreich eingezogen.

Oberösterreichisches Landesarchiv, Bestand Arisierungen.

Foto:

In diesem Bereich der Hauptstraße befand sich die Weinhandlung Ferihumer (nicht im Bild). Undatiert.

Archiv der Stadt Linz