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1940, Wurmstraße 11

Das NS-Jugend- und Fürsorgeamt rühmt sich der hohen Zahl an Einweisungen von „Asozialen“ in Arbeits- und Zwangsarbeitslager. Der Leiter, Rudolf H., bleibt nach 1945 ein hoher Magistratsbeamter.

Das Jugend- und Fürsorgeamt sah seine zentrale Aufgabe in der Bekämpfung von „Asozialen“: „Arbeitsscheue“, „Schmarotzer“, „Rassenschänder“, „sexuell Hemmungslose“, „Süchtige“, „Trinker“ , „Prostituierte“, „Abtreiberinnen“ und andere Menschen, deren Leben aus Sicht der Nazis für die „Volksgemeinschaft“ wertlos war, wurden in Konzentrations- und Arbeitslager eingewiesen. Dabei arbeitete das Jugendamt eng mit der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ und den NS Jugendorganisationen zusammen. So konnte etwa ein HJ-Führer einen Jugendlichen, der sich nicht unterordnen wollte, an das Jugendamt melden.

Das Ziel dieser Lager, wie etwa jenes in Weyer, war die „Erziehung zur Arbeitsdisziplin“ von „Arbeitsverweigerern“ und „Arbeitsschwänzern“. Das Fürsorgeamt rühmte sich im Jahresbericht 1940, „eine bis heute nie erreichte Zahl an Einweisungen Asozialer in Arbeitsanstalten und Zwangsarbeitslager erreicht“ zu haben. Dies sei der „hartnäckigen“ und „unermüdlichen, von Jahr zu Jahr mehr an Raum“ gewinnenden „Asozialenbekämpfung“ zu verdanken.

Der Leiter des Amtes und Autor dieser Zeilen, Rudolf H., wurde 1945 zwar kurzzeitig seines Dienstes enthoben, aber bald wieder eingestellt. 1960 stieg er zum Magistratsdirektor der Stadt Linz auf.

Literatur:

KEPPLINGER, Brigitte: Kommunale Sozialpolitik in Linz 1938 – 1945. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 1. Linz 2001, S. 715 – 798.

BERGER, Ernst (Hg.): Verfolgte Kindheit. Kinder und Jugendliche als Opfer der NS-Sozialverwaltung. Wien 2007.

 

 

Dokument:

Rundschreiben des Gau-Jugend- und Fürsorgeamtes Oberdonau vom 24. Mai 1943, Richtlinien für die Einweisung von Jugendlichen in „Arbeitserziehungslager“.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 19291/83.

Foto:

Wurmstraße, 1947. Nr. 11 nicht im Bild.

Archiv der Stadt Linz