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1939 – 1945, Wurmstraße 7

Das Linzer Gesundheitsamt entscheidet im Sinne der NS „Erb- und Rassenpflege“ über etwa 1000 Zwangssterilisationen sowie Eheverbote und die Bekämpfung „Asozialer“.

Die NS-Gesundheitspolitik stand ganz im Zeichen der nationalsozialistischen „Erb- und Rassenpflege“. Den Gesundheitsämtern kam dabei eine entscheidende Rolle zu: Sie konnten über die Vergabe von Wohnungen entscheiden, Eheschließungen verbieten und Anträge auf Zwangssterilisationen „rassisch minderwertiger“ Personen stellen.

Dabei waren Ärzte des Gesundheitsamtes nicht nur Antragsteller, sondern auch Richter in den Erbgesundheitsgerichten und „Vollstrecker“ der Urteile. Insofern ist es auch wenig erstaunlich, dass das Linzer Erbgesundheitsgericht in 90% der Fälle im Sinne der Antrag stellenden Amtsärzte entschied. Schätzungen gehen von etwa 1000 Zwangssterilisationen zwischen 1938 und 1945 in Oberösterreich aus. Die als „minderwertig“ eingestuften Opfer waren Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, Angehörige von Minderheiten (z.B. Roma und Sinti) oder so genannte „Asoziale“.

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Karl D., sah die Aufgabe des Gesundheitsamtes darin, „das gesunde und wertvolle Erbgut des deutschen Volkes zu pflegen und zu fördern, das schwache aber zurückzudrängen und unter Umständen auszumerzen.“

1945 wurde Demelbauer vorläufig seines Dienstes enthoben. Er konnte jedoch schon 1949 wieder in den Personalstand der Stadt Linz zurückkehren. 1956 wurde ihm das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Literatur:

GOLDBERGER, Josef: NS-Gesundheitspolitik in Linz und Oberdonau 1938 – 1945. Die Umsetzung der gesundheitspolitischen Forderungen des NS-Staates durch die staatliche Sanitätsverwaltung. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 1. Linz 2001, S. 799 – 906.

GOLDBERGER, Josef: NS-Gesundheitspolitik in Oberdonau. Die administrative Konstruktion des „Minderwertes“. Linz 2004.

KLEE, Ernst: Deutsche Medizin im Dritten Reich: Karrieren vor und nach 1945. Frankfurt am Main 2001.

Dokument1:

Dr. Karl D., Tätigkeitsbericht des Linzer Gesundheitsamtes für das Jahr 1939.

Archiv der Stadt Linz, Neue Registratur, NS-Zeit, Sch B 29.

Dokument 2:

„Erblehre“ stellt eine der Grundlagen der nationalsozialistischen Ideologie dar und war auch Bestandteil des Lehrplans – das hier gezeigte Bild stammt aus einem Buch für den Schulunterricht.

BURGSTALLER, Sepp: Erblehre, Rassenkunde und Bevölkerungspolitik. Wien 1941, S 24.

Foto:

Wurmstraße, 1947. Nr. 7 (rechts neben der Kirche).

Archiv der Stadt Linz