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1938 – 1945, Langgasse 13

Im Hauptquartier der Gestapo werden tausende GegnerInnen des NS-Regimes brutal gefoltert. Hier beginnt die Karriere Franz Stangls, der später in den KZs Sobibor und Treblinka Massenmorde organisiert.

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) war eine zentrale Einrichtung des nationalsozialistischen Regimes zur Verfolgung und Einschüchterung der politischen Opposition und maßgeblich an der Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung beteiligt. Viele Menschen überlebten die brutalen Verhörmethoden der Gestapo nicht.

Einem bekannten NS-Schergen diente die Arbeit im „Judenreferat“ der Linzer Gestapo als Karrieresprungbrett: Franz Stangl, 1908 in Altmünster geboren und Webermeister von Beruf, meldete sich 1931 für den Polizeidienst, trat im März 1938 der NSDAP bei und wurde 1940 zu einem verlässlichen Vollzugsorgan der „Aktion T4“: Als Verwaltungs- und Büroleiter der NS-Tötungsanstalt Hartheim verantwortete er die Ermordung von als geistig und körperlich behindert klassifizierten Menschen.

Im März 1942 wurde Stangl im Zuge der „Aktion Reinhardt“ mit der Errichtung und dem Kommando über das Vernichtungslager Sobibor betraut. Bis zu seiner Versetzung im September 1942 ins KZ Treblinka wurden in Sobibor etwa 100.000 Juden getötet. Nach seinem Eintreffen in Treblinka, dem zu diesem Zeitpunkt größten NS-Vernichtungslager im von Deutschland besetzten Polen, erwies sich Stangl auch hier als „perfekter Organisator“ des Massenmordes.

Literatur:

SERENY, Gitta: Am Abgrund: eine Gewissenserforschung. Gespräche mit Franz Stangl, Kommandant von Treblinka und anderen. Frankfurt am Main 1979.

DAMS, Carsten; STOLLE, Michael: Die Gestapo: Herrschaft und Terror im Dritten Reich. München 2008.

Dokument:
Foto:

Zeugenaussage von Frieda B. beim Polizeikommissariat Urfahr vom 16. März 1948 über die Verhöre durch Linzer Gestapo-Beamte.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 1514.

Foto:

Kolpinghaus, um 1936. Das christliche Wohnheim wurde 1938 beschlagnahmt und zum Hauptquartier der Linzer Gestapo umfunktioniert.

Archiv der Stadt Linz