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1944 – 1945, Hessenplatz

Nach Luftangriffen brechen Aufräumkommandos, gebildet aus ZwangsarbeiterInnen, ZivilarbeiterInnen und KZ-Häftlingen, von hier zu Bergungsarbeiten auf.

Nicht alle Fliegerbomben, die die Alliierten über Linz und anderen Städten abwarfen, explodierten beim Aufprall. Von diesen „Blindgängern“ ging bei den Aufräumarbeiten eine große Gefahr aus. Für die Entschärfung waren Sprengkommandos der Luftwaffe zuständig, als Hilfskräfte wurden Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt. Noch vor Beginn der Luftangriffe vereinbarte die Stadt Linz mit dem KZ Mauthausen den Einsatz von bis zu 1000 KZ-Häftlingen für Aufräumarbeiten nach Luftangriffen.

1942 arbeitete Franz Tschaff, zuständig für den Arbeitseinsatz im Stadtbauamt, einen Plan für Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen aus. Der Plan sah vor, dass sich an fünf Punkten in der Stadt ZivilarbeiterInnen, ZwangsarbeiterInnen und KZ-Häftlinge aus Lagern um und in Linz einzufinden hätten. Die KZ-Häftlinge stammten aus dem KZ Mauthausen und wurden im Nebenlager Linz III untergebracht.

Die Häftlinge nannten diese Arbeitskommandos bezeichnenderweise „Himmelfahrtskommandos“. Eine genaue Aufstellung jener Häftlinge, die bei dieser Arbeit tödlich verunglückt sind, existiert nicht. Ein undatiertes Dokument aus dem Archiv der Gedenkstätte Mauthausen verzeichnet allein in einer Gruppe von 48 in „Bombenkommandos“ arbeitenden Häftlingen 7 Todesfälle und 4 Verletzte.

Literatur:

PERZ, Bertrand: KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter der Reichswerke ‚Hermann Göring‘ in Linz. In: RATHKOLB, Oliver (Hg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der ‚Reichswerke Hermann Göring AG Berlin‘ 1938 – 1945. Band 1. Wien u.a. 2001, S. 449 – 590.

RAFETSEDER, Hermann: Der ‚Ausländereinsatz‘ zur Zeit des NS-Regimes am Beispiel der Stadt Linz. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Linz 2002, S. 1107 – 1270.

Dokument:
Foto:


In einem Schreiben an die Lagerverwaltung des Kriegsgefangenenlagers Kleinmünchen ordnet Franz Tschaff an, dass sich nach Luftangriffen „5 Arbeitstrupp[s] a 50 Kgf. [Kriegsgefangene]“ an 5 Sammelpunkten einzufinden hätten.

Archiv der Stadt Linz, Neue Registratur, NS-Zeit Sch B 29.

Foto:

Hessenplatz. Um 1927.

Archiv der Stadt Linz