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9./10.11.1938, Bethlehemstraße 26

In der Nacht dringt eine Einheit der SA in die Linzer Synagoge ein und setzt sie in Brand. Die Feuerwehr verhindert lediglich das Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude.

In der Nacht von 9. auf 10. November kam es im gesamten „Deutschen Reich“ zu Ausschreitungen gegen Juden und Jüdinnen, ihre Synagogen, Geschäfte und Wohnungen. Die Pogrome wurden zentral geplant, sollten allerdings als Ausdruck der „Volksempörung“ erscheinen. Der Großteil der Bevölkerung sah tatenlos zu, viele machten sich über die Opfer lustig oder beteiligten sich an Gewaltakten.

Der Augenzeuge Karl Loewy schilderte die Vorgänge dieser Nacht wie folgt: „Wir sahen, wie aus den Fenstern des Tempels die Flammen schlugen. Ein SA-Offizier mit einer Waffe in der Hand kam aus dem Gebäude. Die Thora-Rollen und Gebetbücher wurden herausgeschleppt und hingeworfen. Der in der Nachbarschaft wohnende Gewerbetreibende G. holte sich aus dem Vorraum des Tempels, in dem manche Requisiten verwahrt waren, einen Zylinderhut, einen Talith, nahm eine Thorarolle in den Arm und setzte sich damit auf die Stufen zum Eingang des Gotteshauses, indem er, sich wiegend, einen hebräischen Singsang imitierte. Das Gegröle des angesammelten Pöbels dankte ihm für seine ‘humoristische‘ Vorstellung.
Die Feuerwehr war anwesend, aber sie sorgte peinlich nur dafür, dass der Brand nicht auf die Häuser der Nachbarschaft übergreife. Zu uns, die wir aufgewühlt und erschüttert die grausige Szene ansehen mussten, kamen SA-Männer, misshandelten uns und beschuldigten uns, daß wir Waffen versteckt hätten und daß wir Juden den Tempel selbst in Brand gesteckt hätten.“

Literatur:

GOLD, Hugo: Geschichte der Juden in Österreich. Ein Gedenkbuch. Tel Aviv 1971. 

JOHN, Michael: „Bereits heute schon ganz judenfrei…“ Die jüdische Bevölkerung von Linz und der Nationalsozialismus. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Linz. Band 2. Linz 2001, S. 1311 – 1406.

Dokument 1:

Bericht des Sicherheitsdienstes der SS über die Brandlegung in der Synagoge durch Angehörige von SA und SS in Zivilkleidung. Undatiert. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 3522.


Dokument 2:

Die ausgebrannte Synagoge kurz nach dem der Brand gelöscht wurde – die Feuerwehr ist noch vor Ort, Menschen in Zivilkleidung tragen religiöse Gegenstände aus dem zerstörten Gebäude.

Archiv der Stadt Linz  

Foto:

Die Synagoge in der Betlehemstraße. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz