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1913 – 1921, Fadingerstraße 4

Ernst Kaltenbrunner besucht hier die Oberschule. 1943 wird er Leiter des Reichssicherheitshauptamts. Er ist maßgeblich verantwortlich für die Ermordung von 6 Millionen Juden und Jüdinnen.

Ernst Kaltenbrunner wurde am 4. Oktober 1903 in Ried im Innkreis geboren. 1913 zog Kaltenbrunner nach Linz in eine Pension, um die Realschule in der Fadingerstraße 4 zu besuchen – dieselbe Schule übrigens, wo Adolf Hitler um die Jahrhundertwende Schüler war. Dort war der spätere Bürgermeister von Linz, Ernst Koref, einer von Kaltenbrunners Lehrern. Im Herbst 1921 begann Kaltenbrunner sein Studium in Graz und schloss sich der schlagenden Burschenschaft „Arminia“ an. Als führender Kopf dieser Burschenschaft organisierte er Boykotts und Demonstrationen gegen jüdische Professoren. 1930 trat er der NSDAP und 1931 der SS bei, 1935 wurde er Führer der illegalen Organisation in Österreich.

Im NS-Staat konnte Kaltenbrunner eine steile Karriere absolvieren: 1938 wurde er Staatssekretär für das Sicherheitswesen und Höherer SS- und Polizeiführer in Wien, 1943 übernahm er – nach der Ermordung Reinhard Heydrichs im Juni 1942 – die Leitung des Reichssicherheitshauptamtes. In dieser Funktion war er einer der maßgeblichen Organisatoren der Deportation und Ermordung von Juden und Jüdinnen in den Vernichtungslagern im Osten.

Kaltenbrunner wurde am 11. Mai 1945 bei Altaussee von einer amerikanischen Militärstreife festgenommen und musste sich seiner Taten im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg verantworten. Er wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.

Literatur:

BLACK, Peter: Ernst Kaltenbrunner. Vasall Himmlers: Eine SS-Karriere. Paderborn 1991.

WILDT, Michael: Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburg 2002.

KASTNER, Klaus: Die Völker klagen an. Der Nürnberger Prozess 1945 – 1946. Darmstadt 2005.

Dokument:

Ernst Kaltenbrunner wurde wenige Tage nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im Salzkammergut verhaftet und zunächst nach England gebracht. Im November begann der Prozess gegen die Hauptverbrecher in Nürnberg. Auf dem Foto sieht man Kaltenbrunner, als er für "unschuldig" plädiert. das Internationale Militärtribnunal ist gegenteiliger Meinung und verurteilte den ehemaligen Chef des Reichssicherheitshauptamtes zum Tode durch den Strang. Das Urteil wurde am 16. Oktober 1946 vollstreckt.

Foto:

Die Kaiser-Franz-Josef-Realschule, zuvor in der Steingasse, ab 1907 in der Fadingerstraße. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz