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September 1938, Museumstraße 12

Franziska K. wird von ihrer Nachbarin denunziert. Der Besitz von Aktfotos ist ausschlaggebend für die Verurteilung als Homosexuelle: Sie verbüßt 4 Monate schweren Kerkers.

Theresia P. zeigte 1938 ihre Nachbarin, die geschiedene Hilfsarbeiterin Franziska K., an, weil sie Äußerungen gemacht haben soll, die auf ihre „lesbische Veranlagung“ schließen ließen und sie sexuell bedrängt habe. Franziska K. war bereits zweimal wegen „Unzucht wider die Natur“ vorbestraft. Sie wies jedoch jede Schuld von sich und gab an, keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu pflegen. Die Anzeigen seien vielmehr ein Racheakt gegen sie wegen nachbarschaftlicher Konflikte.

Das Gericht maß den Aussagen der Nachbarin jedoch mehr Glaubwürdigkeit zu, zumal es einige Aktfotos von Frauen, die bei K. gefunden wurden, als Beweis für ihre „Veranlagung“ wertete. Am 15. September 1938 wurde Franziska K., 37 Jahre alt, Mutter von drei Kindern zwischen 5 und 14 Jahren, wegen einer „versuchten Verleitung zum Verbrechen der Unzucht wider die Natur“ zu vier Monaten schwerem Kerker verurteilt.

Die Verfolgung weiblicher Homosexualität während des Nationalsozialismus spielte im Vergleich zur Verfolgung homosexueller Männer eine untergeordnete Rolle. So kam es am Landesgericht Linz zu drei Verfahren wegen Homosexualität gegen Frauen, dem gegenüber stehen 289 gegen Männer.

Literatur:

KNOLL, Albert; BRÜSTLE, Thomas: Verfolgung von Homosexuellen in Oberösterreich in der NS-Zeit. In: Oberösterreichisches Landesarchiv (Hg.): Reichsgau Oberdonau. Aspekte 2 Linz 2003, S. 149 - 204.

MICHELER, Stefan (Hg.): Denunziert, verfolgt, ermordet: Homosexuelle Männer und Frauen in der NS-Zeit. Hamburg 2002.

Dokument:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Linz vom 16. August 1938 gegen Franziska K. wirft ihr „versuchte Verleitung zum Verbrechen der Unzucht wider die Natur“ vor.

Oberösterreichisches Landesarchiv, Bezirksgericht / Landesgericht / Oberlandesgericht, Sch 523.  

Foto:

Landesgericht, Museumstraße 12 (heute Fadingerstraße 2), links im Hintergrund. Um 1943.

Archiv der Stadt Linz