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Juni 1938 – Sommer 1940, Nibelungenbrücke

Als Baustoff für die Nibelungenbrücke kommt unter anderem Granit zum Einsatz, der im nahe gelegenen KZ Mauthausen unter brutalsten Bedingungen abgebaut wird.

Die alte Linzer Gitterbrücke stammte aus dem Jahr 1872, sie behinderte mittlerweile sowohl den Straßen- als auch den Schiffsverkehr. Neubaupläne existierten bereits in den 1920er Jahren. Im Frühling 1938 wurde mit dem Neubau der Donaubrücke – einem Prestigeprojekt der neuen Machthaber – begonnen.

Die Nibelungenbrücke gilt bis heute als Symbol des wirtschaftlichen und kulturellen Aufstiegs von Linz während der NS-Zeit. Dass sie zum Teil aus Granit gebaut wurde, der aus dem KZ Mauthausen stammt, verweist auf den Zusammenhang zwischen NS-Baupolitik und Zwangsarbeit. Die Nibelungenbrücke und die Brückenkopfgebäude sind die einzigen monumentalen Repräsentationsbauten, welche die Nazis nicht nur geplant, sondern auch tatsächlich errichtet haben. An den beiden Brückenköpfen sollten jeweils zwei überdimensionale Reiter-Statuen – Figuren aus dem Nibelungenlied – stehen. Diese Statuen wurden nicht vollendet, allerdings eine Zeit lang als Gipsmodelle aufgestellt.

Die Nationalsozialisten planten allerdings ein umfangreiches Bauprogramm: die weitere Verbauung der Donauufer im Stil der Brückenkopfgebäude mit einem Turm, der höher als jener des Stephansdoms sein sollte, und eine riesige Veranstaltungshalle mit Aufmarschplatz. Nahe dem Hauptbahnhof sollte eine Prachtstraße mit Museen und einem Konzerthaus entstehen. Realisiert wurde jedoch in erster Linie der massive Aufbau der Rüstungsindustrie.

Literatur:

NEWEKLOWKSY; Ernst: Vom Bau der Nibelungenbrücke. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz. Jg. 1957. Linz 1958, S. 382 – 386.  

POSCH, Herbert: Anmerkungen zu Linz 1938 - 1945. In: Bundesdenkmalamt (Hg.): Erbe verweigert. Tagungsband. Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. Heft 1. Wien 2007, S. 25 ­ 46.

Dokument:

Bernhard von Plettenberg, jener Bildhauer, der die Reiterstatuen für die Nibelungenbrücke gestalten sollte, beschreibt die Brücke als „Symbol für die Wiedervereinigung der Heimat des Führers mit dem Altreich, durch den (…) nibelungischen Geist.“ Bernhard von Plettenberg: Die 4 Figuren der Nibelungenbrücke zu Linz/Donau.

Archiv der Stadt Linz, Neue Registratur, NS-Zeit Sch B20.

Foto:

Bau der Nibelungenbrücke, Blick Richtung Hauptplatz. Undatiert (um 1939).

Archiv der Stadt Linz