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1943, Lederergasse 20

Die Lehrerin Hermine L. schreibt mehrere regimekritische Briefe an ihren Bruder Walter, der als Wehrmachtssoldat in Wien stationiert ist. Beide werden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Hermine Lohninger war Mitglied des katholischen Lehrervereins, von 1934 – 1938 auch der „Vaterländischen Front“. 1943 wurde ihr Bruder Walter Lohninger zur Wehrmacht eingezogen und in Wien in der Breitenseerkaserne stationiert. Die Briefe, die sich die Geschwister schrieben, wurden ihnen zum Verhängnis.

Hermine Lohninger verlieh ihrer regimekritischen Haltung in einem Brief an ihren Bruder klaren Ausdruck: „Es kann doch nicht mehr lange dauern (…). Wenn nur der Zauber bald aus wäre. (…) Der Gauner, der Taugenichts ruiniert das ganz Volk, der Totengräber des deutschen Volkes. Wenn nur bald ein Ende käme.“

Als die Gestapo diese Briefe fand, wurden beide Geschwister verhaftet. Hermine Lohninger wurde 10 Tage im Gestapogefängnis und im Gerichtsgefängnis Urfahr eingesperrt, verhört und gefoltert. Ihre Zellengenossin Anna Riedl berichtete nach der Befreiung von der täglichen Gewalt, der die 27-jährige ausgesetzt war.

Auch Walter Lohninger wurde verhaftet und in ein Wehrmachtsgefängnis überstellt. Die Geschwister Lohninger wurden wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt: Walter wurde am 7. Februar 1944 in Brandenburg hingerichtet, Hermine am 2. August 1944 im Wiener Landesgericht.

Literatur:

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Erzählte Geschichte. Berichte von Männern und Frauen in Widerstand wie Verfolgung. Band 2: Katholiken, Konservative, Legitimisten. Wien 1985.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich. Band 2. Wien 1982.

Dokument:

In einem knappen Schreiben des Gerichts der Wehrmachtkommandantur in Berlin wird Maria Lohninger am 11. Februar 1944 über die Hinrichtung ihres Mannes informiert. Drei Monate später erhält sie eine Rechnung über 60, 72 RM für die Bestattung ihres Ehemannes in Brandenburg.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 6744.