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1944 – 1945, Kaplanhofstraße 40

Vom Frauengefängnis Kaplanhof gehen regelmäßig Transporte von politischen Gegnerinnen in verschiedene Konzentrationslager ab, etwa in das KZ Ravensbrück.

Gegnerinnen des Nationalsozialismus aus dem Gau Oberdonau wurden nach ihrer Verhaftung meist nach Linz gebracht und dort in einem der Gefängnisse in der Mozartstraße, im Landesgericht oder im Bezirksgefangenenhaus Urfahr inhaftiert. Spätestens ab Jänner 1944 existierte auch eine Frauengefängnisbaracke am Gelände des ehemaligen Herrschaftssitzes Kaplanhof. Hier wurden neben Regimegegnerinnen auch Frauen verschiedener Nationalitäten – Russinnen, Ukrainerinnen, Griechinnen, Französinnen und andere – die Zwangsarbeit leisten mussten, untergebracht.

Frauen, die als politische Gegnerinnen verhaftet wurden, waren meist nur einige Wochen inhaftiert, wobei sie manchmal für Verhöre nach Mauthausen gebracht wurden. Dort wurden ihnen zur Einschüchterung Misshandlungen der Häftlinge und die Gaskammer gezeigt. Regelmäßig gingen Transporte von den Frauengefängnissen in verschiedene Konzentrationslager, vor allem in das Frauen-KZ Ravensbrück.

Am 31. März 1945 wurde das Gelände von einer Bombe getroffen. Den inhaftierten Frauen war es bei Bombenangriffen nicht erlaubt, die Luftschutzgräben aufzusuchen. Nach dem Bombentreffer stand das Gefängnis in Flammen, die SS schoss auf Frauen, die versuchten, sich zu retten. Mehr als die Hälfte der ca. 160 zu diesem Zeitpunkt inhaftierten Frauen wurde erschossen, von herabstürzenden Gebäudeteilen erschlagen oder kam in den Flammen um.

Literatur:

HAUCH, Gabriella (Hg.): Frauen im Reichsgau Oberdonau. Geschlechtsspezifische Bruchlinien im Nationalsozialismus. Linz 2006.

WALZ, Loretta: Und dann kommst du da hin an einem schönen Sommertag. Die Frauen von Ravensbrück. München 2005.

Dokument:

Brief von Gisela Tschofenig-Taurer an ihre Familie vom 11. Oktober 1944. Tschofenig-Taurer war wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer kommunistischen Widerstandsgruppe im Frauengefängnis Kaplanhof inhaftiert und wurde im April 1945 im Lager Schörgenhub ermordet.

Archiv der Stadt Linz, Nachlass Kammerstätter