English versionDeutsche Version
Search
   

1938, Katzenau, alter Lagerplatz der Familie Kerndlbacher

Hier wird Rosa W. verhaftet, weil sie eine Sintiza ist. Im Lager Maxglan wählt Leni Riefenstahl sie als Statistin aus, nach einem Fluchtversuch kommt sie ins KZ Ravensbrück. 1945 kann sie entkommen.

Rosa Winter und ihre Familie wurden verhaftet, die Männer kamen ins KZ, die Frauen ins Sammellager für „Zigeuner“ nach Maxglan. Rosa Winter wurde 1940 von Leni Riefenstahl als Statistin für den Film „Tiefland“ ausgewählt. Während der Dreharbeiten erhielt sie die Nachricht, dass ihre Familie aus Maxglan weggebracht werden sollte.

Sie floh, schlug sich nach Salzburg durch und wurde dort verhaftet. Leni Riefenstahl kam persönlich in ihre Zelle und verlangte, sie solle vor ihr knien und um Verzeihung bitten. Rosa Winter verweigerte diesen Befehl, worauf Riefenstahl voller Wut sagte: „Dann ab ins KZ mit ihr!“

Rosa Winter kam ins KZ Ravensbrück, ihre Mutter gemeinsam mit der Großmutter und ihren Geschwistern nach Auschwitz. Auf dem Todesmarsch – das KZ Ravensbrück wurde beim Heranrücken der Roten Armee von der SS evakuiert – gelang ihr die Flucht. Sie wurde von Soldaten der Roten Armee aufgegriffen und versorgt.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Diskriminierung der Roma und Sinti in Österreich nicht vorbei. Der Kampf Rosa Winters und ihrer Tochter Gitta um den Erhalt der Staatsbürgerschaft zeugt von dieser noch Jahrzehnte bestehenden Ungleichbehandlung. Erst seit 1993 sind Roma und Sinti in Österreich als Minderheit gesetzlich anerkannt. Rosa Winter verstarb am 16. Mai 2005 im Alter von 82 Jahren in Linz.

Literatur:

LAHER, Ludwig: Uns hat es nicht geben sollen. Drei Generationen Sinti-Frauen erzählen. Grünbach 2004.

THURNER, Erika: Nationalsozialismus und Zigeuner in Österreich. Wien, Salzburg 1983.

Dokument:

Familie Kerndlbacher auf ihrem Lagerplatz in Linz, um 1920. Josef Kerndlbacher, Rosa Winters Vater, 5. von links. (Foto: Gitta Martl)