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1938 – 1945, Siedlung Spallerhof/Muldenstraße

Für ArbeiterInnen der Rüstungsbetriebe werden neue Wohnungen gebaut. Um eine zugesprochen zu bekommen, müssen die AnwärterInnen eine „rassenhygienische Untersuchung“ über sich ergehen lassen.

Noch heute wird das Wohnbauprogramm von manchen LinzerInnen als „positive Seite“ der NS-Zeit wahrgenommen. Der Bau dieser Wohnungen folgte jedoch nicht primär sozialpolitischen, sondern rüstungswirtschaftlichen Überlegungen: Hunderttausende ArbeiterInnen arbeiteten in den Linzer Rüstungsfabriken für den „Endsieg“ der Deutschen Wehrmacht und mussten entsprechend untergebracht werden. „Nichtarische“ Fremd- und ZwangsarbeiterInnen wurden hingegen – der NS-Rassendoktrin entsprechend – in unzureichenden Barackenlagern untergebracht.

Der NS-Staat nutzte den Bau von neuen Wohnungen für seine Propaganda. Doch das Wohnungsproblem in Linz wurde durch die NS-Politik nicht gelöst: Trotz der Errichtung von insgesamt knapp 11.000 Wohnungen gelang es den Nazis nicht, den großen Wohnungsbedarf zu decken. Vielmehr wurde das Problem durch die nationalsozialistische Kriegspolitik noch verschärft. Anfang 1944 waren über 100.000 ausländische ArbeiterInnen in Linz beschäftigt, die meist völlig unzureichend untergebracht waren. Der Krieg, den die Nazis begonnen hatten, hinterließ schließlich in Linz 14.000 zerstörte Wohnungen.

Literatur:

MAYRHOFER, Fritz: Stadtentwicklung und Wohnbau. In: Ders.; SCHUSTER, Walter (Hg.): Linz zwischen Demokratie und Diktatur 1918 – 1945. Linz-Bilder 2. Linz 2006.

DURT, Werner: Architektur und Stadtplanung im Dritten Reich. In: PRINZ, Michael u.a. (Hg.): Nationalsozialismus und Modernisierung. Darmstadt 1991, S. 139 – 171.

Dokument:

Das Wohnungsamt der Stadt Linz beauftragt in einem Schreiben vom 29. Jänner 1943 Amtsärzte, die „rassische und gesundheitliche Eignung“ jener Menschen zu überprüfen, die in eine der neu errichteten Wohnungen einziehen wollen.

Oberösterreichisches Landesarchiv, BH Grieskirchen, Sch. 90.

Foto:

Neuerrichtete Wohnbauten der Siedlung Spallerhof um 1942.

Museum Nordico