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Oktober 1945 – 1950, Ramsauerstraße/Uhlandstraße

Im Lager Bindermichl werden nach der Befreiung jüdische „Displaced Persons“ untergebracht – aus KZs befreite Jüdinnen und Juden. Sie warten auf Visa für Einwanderungsländer, vor allem in die USA und nach Palästina.

Die Gruppe der jüdischen „Displaced Persons“ (DPs) bestand aus ehemaligen KZ-Häftlingen und Flüchtlingen vor Nachkriegspogromen in Osteuropa. Unter den osteuropäischen DPs waren auch ehemalige Nazi-Kollaborateure, ein gemeinsames Zusammenleben war den jüdischen DPs nicht zumutbar. Die Alliierten richteten daher eigene Lager für jüdische DPs ein. Die meisten von ihnen warteten auf eine Möglichkeit, nach Palästina, in die USA oder nach Kanada auszuwandern. In Linz wurden drei größere Lager für jüdische DPs eingerichtet: in Ebelsberg, am Bindermichl und in Wegscheid. Als Lager Bindermichl dienten ab Oktober 1945 die so genannten „Hitlerbauten“.

Die BewohnerInnen organisierten ein reges Kulturleben: Es gab unterschiedliche kulturelle und religiöse Einrichtungen, Fortbildungs- und Schulungskurse, eine eigene Autowerkstätte und eine Bigband. Außerdem produzierten sie die Zeitungen „Ojfgang“ (Aufgang) und „Unzer Ziel“ (Unser Ziel), die auch in anderen DP-Lagern in Österreich verbreitet wurden. Nicht zuletzt entstand im Lager Bindermichl auch die „Jüdische Historische Kommission“, die sich mit der Erfassung von NS-Verbrechen beschäftigte und aus der später Simon Wiesenthals „Jüdische Historische Dokumentation“ hervorging.

Literatur:

JOHN, Michael: Bevölkerung in der Stadt. Linz 2000.

JOHN, Michael: Displaced Persons in Linz. ‘Versetzte Personen’ und fremdsprachige Flüchtlinge der Nachkriegszeit. In: KATZINGER, Willibald; MAYRHOFER, Fritz (Hg.): Prinzip Hoffnung. Linz zwischen Befreiung und Freiheit. Linz 1995. 213 – 229.

Dokument:

Ausflug des Kindergartens im DP-Lager Bindermichl. Undatiert.

National Archives Washington, Repro im Museum Nordico

Foto:

Jüdische DPs bei Aufbauarbeiten im DP-Lager Bindermichl. Undatiert.