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27.4.1945, Siemensstraße

Gisela T. wird 1944 als kommunistische Widerstandskämpferin verhaftet. Wenige Tage vor Kriegsende wird sie hier, im Arbeitserziehungslager Schörgenhub, erschossen.

Gisela Taurer wurde 1917 als Tochter eines Eisenbahners in Kärnten geboren. Ihr Vater wurde 1935 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ nach Linz versetzt. Im Alter von 20 Jahren wollte die junge Kommunistin nach Spanien, um sich den Interbrigaden anzuschließen. Da sie nicht über die französisch-spanische Grenze gelangen konnte, kehrte sie 1938 nach Linz zurück.

Taurer arbeitete als Kassiererin im Linzer Hauptbahnhof und schloss sich der kommunistischen Widerstandsgruppe rund um Josef Teufl an. 1944 heiratete Gisela Taurer Josef Tschofenig im Standesamt im KZ Dachau, wo dieser seit 1940 interniert war. Sie selbst wurde einige Monate darauf wegen staatsfeindlicher politischer Betätigung verhaftet und im Frauengefängnis Kaplanhof eingesperrt. Dort überlebte sie den Bombenangriff vom 31. März 1945 und wurde danach ins Gestapo-Arbeitserziehungslager Schörgenhub gebracht.

Gisela Tschofenig-Taurer wurde am 27. April gemeinsam mit einer Frau aus Wels aus der Baracke geholt und erschossen. Am nächsten Tag, so berichtet eine Mitgefangene, trug die Häftlingsaufseherin die Schuhe von Tschofenig-Taurer. Eine Woche später wurde das Lager Schörgenhub von amerikanischen Truppen befreit. Die Stadt Linz ehrte die Widerstandskämpferin im Jahr 2006 durch die Benennung einer Straße im Stadtteil Ebelsberg.


Literatur:

„Meine Rechnung geht bis zum 1. Mai“. Dokumentation über den Widerstand Linzer KommunistInnen. Hg. v. d. KPÖ Linz, 1998.

KAIN, Franz; HAUTMANN, Hans; FURTLEHNER, Leo: Verdrängt, vergessen, verschwiegen. Beiträge zum 500-Jahr-Jubiläum der Stadt Linz. Linz 1990

Dokument:

In ihrem letzten Brief an ihre Familie beschreibt Gisela Tschofenig-Taurer ihre Situation im Lager Schörgenhub und den Luftangriff auf das Frauengefängnis Kaplanhof. Wenige Tage darauf, knapp zwei Wochen vor der Befreiung, wird sie hingerichtet.

Archiv der Stadt Linz, Nachlass Kammerstätter.

Foto:

Gisela Taurer, Portraitaufnahmen. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz, Nachlass Kammerstätter