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1942 – 1945, Dauphinestraße

In der Kleinmünchner Spinnerei befindet sich eines von sechs Linzer „Ostarbeiter“-Lagern für Frauen: 1944 sind 51% der „Ostarbeiter“ weiblich.

Wenn man über Zwangsarbeit zur Zeit des Nationalsozialismus spricht, denkt man in erster Linie an männliche Zwangsarbeiter. In den ersten Jahren des Krieges wurden zur Zwangsarbeit tatsächlich vor allem männliche Kriegsgefangene eingesetzt. Doch ab 1942 begann die Zwangsrekrutierung von Arbeitskräften in Osteuropa. Dabei wurde auch eine steigende Zahl junger Frauen in das „Deutsche Reich“ verschleppt.

So kamen etwa im August 1942 1.662 Frauen als „Ostarbeiterinnen“ nach Linz, dem gegenüber stehen 956 Männer. Von den im Mai 1944 in „Oberdonau“ registrierten 34.000 „Ostarbeitern“ waren 51% weiblich. Die „Ostarbeiter“ waren die zahlenmäßig stärkste Gruppe der ausländischen Arbeitskräfte in Linz. Sie wurden in der Schwerindustrie, der Landwirtschaft oder bei Bauprojekten eingesetzt. Die Rekrutierung erfolgte mit einer Kombination aus Anreiz, Druck und Terror in Polen, der Ukraine und der Sowjetunion.

Anfangs gab es noch eine geringe Zahl freiwilliger Meldungen – die Deutschen versprachen den Menschen Brot und eine gute Behandlung. Doch als die ersten Berichte der Freiwilligen über ihre tatsächliche Lebenssituation – mangelnde Verpflegung, schlechte Bezahlung, Leben in Barackenlagern, harte Arbeit – bekannt wurden, meldete sich kaum noch jemand freiwillig. Daher gingen die Besatzer zu Zwangsrekrutierungen über und verschleppten junge Frauen und Männer ab einem Alter von 15 Jahren.

Literatur:

HAUCH, Gabriella: Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder: Zum Geschlecht der Zwangsarbeit. In: RATHKOLB, Oliver (Hg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der ‚Reichswerke Hermann Göring AG Berlin‘ 1938 – 1945. Band 1. Wien u.a. 2001, S. 355 – 448.

Dokument:

Zwei „Ostarbeiterinnen“, die bei einer Linzer Baufirma eingesetzt waren.

Archiv der Stadt Linz, Fotosammlung, Sammlung Stenzl.