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1938, Wiener Straße 545-549

In der neu errichteten Kaserne werden SS-Totenkopfverbände zur Bewachung des KZ Mauthausen untergebracht. Ab 1940 dienen sie als Umsiedlerlager, nach 1945 als Lager „Davidstern“ für jüdische DPs.

Im Oktober 1938 wurden die Gründe des Bauernhofs „Mayr zu Reith“ beschlagnahmt, um eine SS-Kaserne zu errichten. Der Plan sah eine Kaserne mit 40 Mannschaftsgebäuden für bis zu 6.000 Mann vor. Zunächst wurde dort ein Barackenlager zur Unterbringung der Standarte 4 „Ostmark“ der SS-Totenkopfverbände erbaut. Diese SS-Truppe wurde in Ebelsberg ausgebildet und zur Bewachung des nur 12 km entfernten Konzentrationslagers Mauthausen eingesetzt.

Im Jänner 1940 waren erste Teile der Kaserne fertig gestellt und wurden offenkundig vornehmlich als Quartiere für „Umsiedler“ verwendet. ZeitzeugInnen berichten jedenfalls, dass sie kaum Uniformierte in der SS-Kaserne Ebelsberg gesehen hätten und dass es ab 1942 keine Bewachung mehr gegeben hätte. Es waren in erster Linie so genannte „Buchenlanddeutsche“, deutschsprachige ZuwandererInnen aus der Bukowina, und andere „Umsiedler“, die in den Kasernengebäuden untergebracht waren.

Ab 1947 wurde hier das Lager „Davidstern“ für jüdische „Displaced Persons“ eingerichtet. Die BewohnerInnen veranstalteten Schulungs-, Kultur- und Sozialprogramme, um sich auf ihre Auswanderung nach Israel und in andere Aufnahmeländer vorzubereiten. 1950 wurde das Lager „Davidstern“ als letztes der größeren Linzer Lager für jüdische DPs aufgelöst.

Literatur:

CARRINGTON, Manfred; REITER, Andreas: Der Süden von Linz. Wambach 2007, S. 387ff

JOHN, Michael: Displaced Persons in Linz. „Versetzte Personen“ und fremdsprachige Flüchtlinge in der Nachkriegszeit. In: KATZINGER, Willibald; MAYRHOFER, Fritz (Hg.): Prinzip Hoffnung. Linz zwischen Befreiung und Freiheit. Linz 1995, S. 213 - 230.

Foto:

Kaserne Ebelsberg. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz