English versionDeutsche Version
Search
   

16.6.1938, Hauptbahnhof

Als Regimegegner werden oberösterreichische Politiker und Intellektuelle unter brutalsten Misshandlungen der SS-Wachmannschaften in das KZ Dachau deportiert.

Schon in den ersten Stunden nach dem „Anschluss“ setzte die brutale Verfolgung politischer Gegner ein. In den ersten Tagen rächten sich die Nazis vor allem an den Machthabern der Ständestaat-Diktatur. So wurden unter anderen Landeshauptmann Heinrich Gleißner, die Mitglieder der Landesregierung Felix Kern und Peter Revertera-Salandra, der Linzer Bürgermeister Wilhelm Bock und der Direktor der Linzer Arbeiterkammer Alfred Maleta verhaftet.

Am 16. Juni 1938 wurde ein Teil der prominenten politischen Gefangenen des Polizeigefängnisses Mozartstraße zum Hauptbahnhof gebracht. Am Bahnhof angekommen, wurden sie in einem Warteraum zusammengepfercht und warteten auf einen „Sonderzug“ aus Wien – den letzten der drei „Österreich-Transporte“ nach Dachau. Die ganze Zeit waren sie der Gewalt der SS-Wachmannschaften ausgesetzt. Im Waggon, zu zehnt in einem Abteil, ging die Tortur weiter, wie Felix Kern beschreibt: „Mit dem Besteigen des Zuges fingen die Quälereien der SS-Schergen an. Es begann mit dem berühmten Fußstellen‘, (…) hernach die üblichen Schläge mit Gewehrkolben usw.. Dicht gedrängt saßen wir in den Waggonabteilen beisammen. (…) Zunächst kam das Kommando, alle müßten die Hände auf die Füße legen und immer in das Waggonlicht schauen. Wer die Augen wegwandte, bekam Schläge.“ Ab München wurden die Häftlinge in Viehwaggons nach Dachau gebracht.

Literatur:

NEUGEBAUER, Wolfgang; SCHWARZ, Peter: ‚Stacheldraht, mit Tod geladen…‘. Der erste Österreichertransport ins das KZ Dachau 1938. Wien 2008.

http://www.dioezese-linz.at/ordinariat/dioezesanarchiv/biografien/ohnmacht.asp

Dokument:

Alfred Maleta, während der Ständestaat-Diktatur Direktor der Linzer Arbeiterkammer, in der Zweiten Republik langjähriger Nationalratspräsident, beschreibt in seinen Memoiren den Transport nach Dachau.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich, Band 2. Wien 1982, S. 231f.  

Foto:

Hauptbahnhof. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz