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1939 – 1944, Robert-Stolz-Straße 12

Die Jüdin Ida B. flieht aus der Ukraine. Sie arbeitet unter einem Decknamen als Haushälterin bei einem SS-Sturmbannführer. 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert.

Die Jüdin Ida B. floh aus der Ukraine, um der Ermordung durch die Nazis zu entgehen. Die junge Frau meldete sich unter falschem Namen freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ ins Reich und kam nach Linz, zuerst ins „Durchgangslager 39“ am Bindermichl.

Ida B. arbeitete als Haushälterin bei einem SS-Sturmbannführer am Froschberg, wo sie gut behandelt wurde. Später wurde sie dem Arbeitsamt als Schreibkraft zugeteilt, zuerst im „Durchgangslager 39“, dann in den Hermann-Göring-Werken. Ihren Arbeitgebern fiel nicht auf, dass Ida B. für ein ukrainisches Bauernmädchen sehr gebildet war, die anderen ZwangsarbeiterInnen merkten jedoch schnell, dass etwas nicht stimmte. Immer wieder äußerten Einzelne laut den Verdacht, dass sie Jüdin sei.

1944 wurde Ida B. von der Gestapo verhaftet, mit Hilfe von Fotos, die in ihre Heimatstadt geschickt wurden, als Jüdin identifiziert und nach Auschwitz deportiert. Sie konnte Auschwitz wohl auch auf Grund ihres im Vergleich zu den anderen Juden und Jüdinnen aus den Ghettos guten körperlichen Zustandes und ihrer Sprachkenntnisse überleben.

Nach der Befreiung lebte Ida B. einige Zeit in Polen, floh jedoch vor dem immer stärker werdenden Antisemitismus. 1948 wanderte sie nach Israel aus. Im August 1983 kehrte Ida B. erstmals nach Linz zurück und besuchte die Plätze ihrer Vergangenheit.

Literatur:

HAUCH, Gabriella: Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder: Zum Geschlecht der Zwangsarbeit. In: RATHKOLB, Oliver (Hg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der ‚Reichswerke Hermann Göring AG Berlin‘ 1938 – 1945. Band 1. Wien u.a. 2001, S. 355 – 448.

JOHN, Michael: Bevölkerung in der Stadt. ‚Einheimische‘ und ‚Fremde‘ in Linz (19. und 20. Jahrhundert). Linz 2000.