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Februar 1944 – April 1945, Märzenkeller

Etwa 250 Häftlinge aus dem Nebenlager Linz II des KZ Mauthausen werden zum Bau von Luftschutzkellern und für die Entschärfung von Blindgängern nach Luftangriffen eingesetzt.

Der Bau von Luftschutzkellern in den letzten Kriegsjahren wurde durch den akuten Arbeitskräfte- und Materialmangel erschwert. Deswegen wurden ab 21. Februar 1944 rund 380 Häftlinge als Arbeitskräfte im Stollenbau aus Mauthausen nach Linz ins Nebenlager Linz II überstellt.

Die Bauleitung der Luftschutzstollen unterstand der Zentralbauleitung der Waffen-SS, die KZ-Häftlinge an private Firmen (Schwarz, Pöchtrager, Asdag, Hödl und andere) „vermietete“. Die Häftlinge wurden direkt in den Stollen untergebracht und von ca. 50 SS-Männern bewacht.

Die SS ging mit den Häftlingen äußerst brutal um, es kam zu Ausschreitungen nach Trinkgelagen, zwei Häftlinge wurden „auf der Flucht erschossen“. Die Arbeit war in zwei Schichten organisiert, es wurde rund um die Uhr gearbeitet. Die meisten Häftlinge kamen kaum ans Tageslicht.

Die Arbeit im Stollen war anstrengend und gefährlich. Mindestens fünf Häftlinge kamen bei Arbeitsunfällen ums Leben. Die Kombination aus schlechtem Essen und harter Arbeit führte zu körperlichem Verfall. Häftlinge, die für die harte Arbeit zu schwach waren, wurden in die Krankenlager im KZ Mauthausen oder Gusen zurückgebracht und dort vermutlich getötet.

Literatur:

PERZ, Bertrand; FREUD, Florian: Konzentrationslager in Oberösterreich 1938 – 1945. Linz 2007.

MARŠÁLEK, Hans: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Wien 2006.

PERZ, Bertrand: KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter der Reichswerke ‚Hermann Göring‘ in Linz. In: RATHKOLB, Oliver (Hg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der ‚Reichswerke Hermann Göring AG Berlin‘ 1938 – 1945. Band 1. Wien u.a. 2001, S. 449 – 590.

Dokument:

Die „Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Linz“ stellt am 7. September 1944 eine Rechnung an die Linzer Stadtverwaltung und an Baufirmen für den Einsatz von KZ-Häftlingen beim Bau von Luftschutzstollen.

Archiv der Stadt Linz, Neue Registratur, NS-Zeit, Sch B 29k.