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25.9.1944, Klammstraße 7

Camilla E. hilft Kriegsgefangenen mit Essen und Kleidung. Sie verbreitet Weissagungen über das nahe Ende des „Dritten Reiches“. Eine anonyme Anzeige führt zu ihrer Verhaftung und Hinrichtung.

Camilla Estermann wurde am 23. Jänner 1881 als Tochter eines Fleischhauers in Linz geboren. Die gelernte Näherin war Zeit ihres Lebens sehr gläubig und verbrachte beinahe 10 Jahre ihres Lebens in einem Kloster in Ried im Innkreis. Danach wurde sie Mitglied des „Dritten Ordens vom Hl. Franziskus“, einer Ordensgemeinschaft, deren Angehörige sich zu Gebeten und karitativen Aufgaben verpflichten, ohne in klösterlicher Abgeschiedenheit zu leben.

Während der NS-Zeit arbeitete Estermann für eine Linzer Bekleidungsfirma, die auch französische Kriegsgefangene für sich arbeiten ließ. Die engagierte Christin versuchte ihrer Einstellung entsprechend den Zwangsarbeitern zu helfen und steckte ihnen Lebensmittel und Kleidungsstücke zu. Außerdem verbreitete sie „Weissagungen“, die eine Niederlage im Krieg und das Ende des „Dritten Reiches“ vorhersagten.

Am 25. September 1944 wurde Camilla Estermann auf Grund einer anonymen Anzeige von der Gestapo verhaftet und in der Strafanstalt Linz-Urfahr eingesperrt. Sie wurde wegen kriegsfeindlicher Handlungen und Wehrkraftzersetzung, in erster Linie wegen der Verbreitung der „Weissagungen“, zum Tode verurteilt. Unter den verurteilenden Richtern befand sich der damalige Linzer Oberbürgermeister Franz Langoth. Am 21. November 1944 wurde das Urteil im Wiener Landesgericht vollstreckt.

Literatur:

WANNER, Anton: Das Kapuzinerkloster während der NS-Zeit. In: Archiv der Stadt Linz (Hg.): Historisches Jahrbuch der Stadt Linz. Jg. 1982. Linz 1984, S. 115 – 308.

ZINNHOBLER, Rudolf: Kirche und Nationalsozialismus in der Gauhauptstadt Linz. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 2. Linz 2001, S. 937 – 1024.

Dokument:

Gerichtsurteil des Linzer Volksgerichtes vom 25. September 1944. Camilla Estermann wird gemeinsam mit sieben weiteren Personen vor Gericht gestellt. Zwei von ihnen werden zum Tod, fünf zu Gefängnisstrafen zwischen zwei und sechs Jahren, eine 17hjährige wurde zu 4 Wochen Arrest verurteilt. Unter den Richtern befindet sich der Linzer Oberbürgermeister Franz Langoth.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 14545   

Foto:

Links Klammstraße 7. Undatiert. Wohnhaus von Camilla Estermann.

Archiv der Stadt Linz