English versionDeutsche Version
Search
   

September 1944, Landestheater

33 Bedienstete des Landestheaters – Schauspieler, Musiker, Bühnenarbeiter – werden vom Arbeitsamt zur Bewachung von KZ-Häftlingen in den Linzer Nebenlagern des KZ Mauthausen „notdienstverpflichtet“.

Das NS-Arbeitsamt konnte im Zuge des „totalen Kriegseinsatzes“ Arbeitsverpflichtungen erlassen. Wer einer solchen Dienstverpflichtung nicht nachkam oder in anderer Form gegen die Auflagen des Arbeitsamtes verstieß, konnte in ein vom Arbeitsamt selbst betriebenes Lager am Bindermichl eingewiesen werden.

Ab September 1944 waren im gesamten „Deutschen Reich“ die Theater geschlossen. So wurden 33 Angestellte des Landestheaters – Theatermusiker, Schauspieler, Theaterbedienstete – vom Linzer Arbeitsamt „notdienstverpflichtet“ und als Hilfswachmannschaften nach Mauthausen gebracht. Dort folgten eine 2-wöchige Ausbildung und die formelle Eingliederung in die SS. Die Männer waren größtenteils zwischen 50 und 60 Jahre alt und nicht kriegstauglich. Nach dieser kurzen Ausbildung bewachten sie KZ-Häftlinge in Linzer Nebenlagern von Mauthausen.

Nach der Befreiung wurden sie von der amerikanischen Militärverwaltung interniert. Ein Überlebender des KZ Linz II beschreibt das Verhalten der Theaterbediensteten als Wachmannschaften als korrekt: „Im Allgemeinen kann man über sie nichts Schlechtes sagen, besonders von den Schauspielern, die waren zu uns sehr freundlich. Sie verlangten nicht, daß wir die Kappe vor ihnen abnehmen mußten, was eine grundsätzliche Pflicht in anderen Konzentrationslagern war.“

Literatur:

THUMSER, Regina: Dem Provinzstatus entkommen? Das Linzer Landestheater in der NS-Zeit. In: KLÜGL, Michael (Hg.): Promenade 39. Das Landestheater Linz 1803 – 2003. Salzburg, Wien 2003, S. 91 – 132.

Dokument:

Drei SchauspielerInnen ersuchen in einem Brief an Landeshauptmann Heinrich Gleißner vom 24. Mai 1945 um die Freilassung der 33 Theaterangestellten.

Oberösterreichisches Landesarchiv, LReg Präsidium 1945 MF 516.    

Foto:

Landestheater Linz. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz