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12.3.1938, Spittelwiese 5

Am Tag des „Anschlusses“ besetzen Nationalsozialisten die Druckerei Gutenberg und benennen sie in „NS-Druckerei und Verlag Linz“ um. Am 13. März erscheint die erste Ausgabe des NS-Kampfblattes „Arbeitersturm“.

Der „Arbeitersturm“ war die erste neu gegründete NS-Zeitung nach dem „Anschluss“. Sie bezeichnete sich als „Kampfblatt der nationalsozialistischen Arbeiter und Angestellten Deutschösterreichs“. Die NS-Propaganda zielte unmittelbar nach dem „Anschluss“ auf die Gewinnung der ArbeiterInnen ab.

Diese befanden sich in einer widersprüchlichen Lage: Einerseits verstand sich die ArbeiterInnenbewegung als „antifaschistisch“, andererseits schlossen sich nicht wenige – teils prominente – ArbeiterInnen den Nazis an. Ein wichtiger Grund dafür lag in der gemeinsamen Erfahrung der politischen Unterdrückung durch die Ständestaat-Diktatur. Noch im März 1938 besuchten Nazigrößen, stets von Journalisten begleitet, die Linzer Elendssiedlungen und versprachen den BewohnerInnen baldige Hilfe. Der „Arbeitersturm“ verkündete außerdem, dass „Parteigenosse Göring schon dafür sorgen werde, daß es in allerkürzester Zeit in ganz Österreich keine Arbeitslosen mehr geben werde.“

Zusätzlich wurden nach dem Februaraufstand 1934 bzw. dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei aus dem öffentlichen Dienst entlassene SozialdemokratInnen demonstrativ wieder eingestellt. Jene, die das „Angebot“, die Seite zu wechseln, nicht annahmen, wurden als politische GegnerInnen brutal verfolgt.

Literatur:

GUSTENAU, Michaela: Mit brauner Tinte. Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933 - 1945). Linz 1992.

Gutenberg Werbering (Hg.): Druckerei Gutenberg. 1910 – 2000. Linz 2000.

Dokument:

Titelblatt der zweiten Ausgabe des „Arbeitersturm“.

Arbeitersturm, 15. März 1938.

Foto:

„NS-Druckerei und Verlag“, vormals gewerkschaftsnahe Druckerei Gutenberg. März 1938.

Archiv der Stadt Linz