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1943, Herrenstraße 19

Franz Jägerstätter sucht Rat bei Bischof Fließer – er kann den Kriegsdienst für Hitler nicht mit seinem Glauben vereinbaren. Jägerstätter wird als Wehrdienstverweigerer am 9.8.1943 hingerichtet.

Franz Jägerstätter, Bauer und Mesner in St. Radegund, wurde erstmals 1940 zur Wehrmacht einberufen, konnte aber wegen des Einsatzes seines Bürgermeisters „unabkömmlich“ gestellt werden. Damit war er vorläufig vor der Einberufung sicher. Am 23. Februar 1943 wurde er jedoch erneut einberufen und fasste den Entschluss, den Wehrdienst aus Gewissensgründen zu verweigern.

In dieser Situation bat Jägerstätter den Linzer Bischof Fließer um Rat und Unterstützung. Dieser begegnete ihm jedoch sehr vorsichtig. Ihm war wohl bewusst, dass die Gestapo die Beziehungen zwischen Geistlichen und Wehrmachtsangehörigen sehr genau beobachtete. Bischof Fließer riet ihm von seinem Vorhaben ab und wies auf seine Verantwortung seiner Familie gegenüber hin. Franziska Jägerstätter, seine Ehefrau, erinnert sich an den Tag der Audienz bei Fließer: „Er war sehr traurig und sagte zu mir: ‚Sie trauen sich selber nicht, sonst kommen’s selber dran.‘“

Jägerstätter blieb dennoch bei seinem Entschluss. Er wurde zuerst im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Ursulinenhof inhaftiert, dann nach Berlin verlegt und vom Reichskriegsgericht Berlin-Charlottenburg am 6. Juli zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 9. August 1943 in Brandenburg vollstreckt. Nach dem Krieg war die Rolle Franz Jägerstätters lange umstritten. Im Jahr 2007 wurde seine Haltung seitens der katholischen Kirche mit der Seligsprechung gewürdigt.

Literatur:

PUTZ, Erna: Franz Jägerstätter. „... besser die Hände als der Wille gefesselt ...". Grünbach 1997.

RIEDL, Alfons (Hg.): Franz Jägerstätter. Christlicher Glaube und politisches Gewissen. Wien 1997.

ZAHN, Gordon C.: Franz Jägerstätter. Märtyrer aus Gewissensgründen. Innsbruck 1987.

Film: Der Fall Jägerstätter (AT 1971, Axel Corti).

Dokument 1:
 
Franz Jägerstätters Abschiedsbrief an seine Frau, geschrieben am 9. August 1943, wenige Stunden vor seiner Hinrichtung.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes 1539.  

Dokument 2:

Einen Monat nach der Hinrichtung, am 9. September 1943, erhält Franziska Jägerstätter die Mitteilung über den Tod ihres Mannes.

www.doew.at/thema/jaegerstaetter/183_jaegerstaetter.html

Foto:

Bischofshof, Herrengasse 19. Um 1940.

Oberdonau, Querschnitt durch Kultur und Schaffen im Heimatgau des Führers. Folge 4, 2. Jg., Dezember 1942.