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18.3.1938, Bischofstraße 7

Der Rechtsanwalt Karl Schwager, Vorsitzender der Kultusgemeinde, wird kurz nach dem „Anschluss“ verhaftet. Er kommt mit der Auflage frei, das Land zu verlassen. 1939 wandert er nach Palästina aus.

Karl Schwager war in seiner Gymnasialzeit wesentlich am Aufbau der Linzer Ortsgruppe des jüdischen Jugendbundes „Blau-Weiß“ beteiligt. Sein Studium wurde durch den Militärdienst im Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem er verwundet und hoch ausgezeichnet wurde. Danach beendete er sein Jus-Studium und wurde Redakteur des zionistischen Blattes „Jüdische Nachrichten“.

1921 setzte er seine Begeisterung für den Zionismus in die Tat um und wanderte nach Palästina aus, wo er sich einem Kibbuz anschloss. Dort heiratete er Vally Grundwald, mit der er 1930 wegen Malariagefahr nach Linz zurückkehrte. Er setzte sein Gerichtspraktikum fort und eröffnete 1937 seine eigene Kanzlei am Graben 21. 1936 wurde Karl Schwager einstimmig zum Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Linz gewählt. Als solcher war er nach dem Einmarsch der Nazis sofort mit Drohungen, Einschüchterungen, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen konfrontiert.

Schwager gehörte zu den ersten Verhafteten. Während er in Haft war, wurde seine Frau aus der Wohnung „hinauskomplimentiert“. Etwa Mitte Mai kam Schwager unter der Bedingung frei, dass er sofort „freiwillig“ das Land verlassen und nicht wieder zurückkommen solle, ansonsten drohe ihm die Verschickung nach Dachau. Familie Schwager lebte noch mehrere Wochen bei einer anderen jüdischen Familie in Linz und konnte 1939 nach Palästina auswandern. Karl Schwager starb 1980 in Israel.

Literatur:

WAGNER, Verena: Jüdisches Leben in Linz. 1849 – 1943. Linz 2008.

SCHWAGER, Karl: Geschichte der Juden in Linz. In: GOLD, Hugo: Geschichte der Juden in Österreich. Ein Gedenkbuch. Tel Aviv 1971, S. 57 – 62.

Dokument:

In seinem Beitrag im Gedenkbuch über die Geschichte der Juden in Österreich beschreibt Karl Schwager die Entwicklung der Linzer jüdischen Gemeinde von 1900 bis zur Verfolgung und Vertreibung während der NS-Herrschaft und den Wiederaufbau nach 1945.

SCHWAGER, Karl: Geschichte der Juden in Linz. In: GOLD, Hugo: Geschichte der Juden in Österreich. Ein Gedenkbuch. Tel Aviv 1971, S. 57 – 62.


 

 

Foto:

Bischofstraße, Blick Richtung Landstraße (Haus Nr. 7 nicht mehr im Bild). Undatiert.

Archiv der Stadt Linz