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1914 – 1933, Bischofstraße 3

Hier verbringt Adolf Eichmann seine Jugend. In der NS-Zeit organisiert er die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Er ist mitverantwortlich für die Ermordung von rund 6 Millionen Menschen.

1914 zog Maria Eichmann mit ihren Kindern von Solingen in Nordrhein-Westfalen nach Linz, wo ihr Mann, Adolf Karl Eichmann, bereits lebte. Hier wuchs der 1906 geborene Adolf Eichmann auf, besuchte die Kaiser Franz Josef-Oberrealschule und schloss sich dem Jugendverband „Wandervogel“ an.

Beeinflusst von der starken deutschnationalen Bewegung in Linz trat er am 1. April 1932 der NSDAP bei, kurze Zeit später der SS. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich 1933 flüchtete Eichmann nach Deutschland und war beim SD Sicherheitsdienst für „Judenangelegenheiten“ zuständig. 1938 kehrte er nach Österreich zurück und baute gemeinsam mit seinem Stellvertreter Alois Brunner die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien auf, die der raschen Vertreibung und vorherigen Beraubung der Juden diente.

Eichmann, der von sich behauptete, niemals Antisemit gewesen zu sein, wurde 1940 zum Leiter jenes Referats des Reichssicherheitshauptamtes, das für die Organisation der Vertreibung und Deportation der Juden zuständigen war. Damit war er als typischer „Schreibtischtäter“ an zentraler Stelle für die Ermordung von ca. 6 Millionen Juden und Jüdinnen in den von den Nazis besetzten Ländern verantwortlich. So war Eichmann Protokollführer bei der „Wannseekonferenz“ 1942, auf der die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen wurde.

1960 wurde Eichmann in Buenos Aires verhaftet und nach Israel gebracht. Dort wurde er 1961 vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde 1962 vollstreckt.

Literatur:  

ARENDT, Hannah: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. München 1964.

CESARANI, David: Adolf Eichmann. Bürokrat und Massenmörder. Berlin 2004.

Film: Un spécialiste, portrait d'un criminel moderne / Ein Spezialist (ISR/F/D/Ö/BEL 1999, Eyal Sivan).

Dokument:

Protokoll der Wannseekonferenz - Text zum Dokument: Am 20. Januar 1942 trafen sich 15 hochrangige Vertreter der NS-Behörden unter dem Vorsitz Reinhard Heydrichs in einer Villa am Wannsee bei Berlin. Ziel des Treffens war die Koordination der Zusammenarbeit aller Behörden, die an der Deportation und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas beteiligt waren. Das Protokoll der Konferenz führte Adolf Eichmann, Heydrichs Referent für "Judenangelegenheiten" im Reichssicherheitshauptamt.

Foto:

Rechts Bischofstraße 3, Blick Richtung Landstraße. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz