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1939 – 1944, Landstraße 49

Oskar H., Präsident der Industrie- und Handelskammer, ist für die „Arisierung“ jüdischer Betriebe verantwortlich. Er bereichert sich auch persönlich als „Ariseur“.

Oskar Hinterleitner wurde im November 1891 in Gmunden geboren. Der Hersteller von Tonöfen wurde 1932 Kammerrat der Industrie- und Handelskammer. Ein Jahr darauf trat er der NSDAP bei, vorübergehend war er während des Verbots der NSDAP illegaler Gauleiter.

Am 12. März 1938 wurde er zum Gauwirtschaftsberater und Beauftragten des Staatskommissars in der Privatwirtschaft in Linz ernannt. Von 1939 – 1944 war er Präsident der Industrie- und Handelskammer, bis 1941 stieg er zum SS-Obersturmbannführer auf. Außerdem war er Mitglied der Landesregierung und Leiter der Hauptabteilung IV (Wirtschafts- und Sozialangelegenheiten). Als solcher war er für die „Arisierung“ zahlreicher jüdischer Betriebe zuständig und profitierte in einigen Fällen selbst als „Ariseur“. So wurde er etwa Aufsichtsratsvorsitzender bei der „arisierten“ Steyrermühl-Papierfabrik.

Hinterleitner wurde am 5. Juli 1945 verhaftet und bis Mitte 1947 in Glasenbach (Salzburg), einem Lager für höhere Parteifunktionäre der NSDAP, interniert.

Im Juli 1950 wurde ihm eine Amnestie gewährt. In den folgenden Jahren wurde Hinterleitner Vorstandsmitglied des Verbandes der Vereinigung österreichischer Industrieller in Oberösterreich, Vorsitzender des oberösterreichischen Heimatwerkes und Ehrenbürger von Oberneukrichen.

Literatur:

ELLMAUER, Daniela; JOHN, Michael; THUMSER, Regina (Hg.): „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Oberösterreich. (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, 17/1) Wien, München 2004.

KIRCHMAYR, Birgit: „Ich hab einen Menschen nicht nach seiner Rasse beurteilt…“ Eine Lebens- und Liebesgeschichte aus dem nationalsozialistischen Linz. In: HAUCH, Gabriella (Hg.): Frauen in Oberdonau. Geschlechtsspezifische Bruchlinien im Nationalsozialismus. Linz 2006, S.271 – 280.

Dokument:

Schreiben des Staatskommissars in der Privatwirtschaft an Oskar Hinterleitner von 14. Jänner 1939. In einem Briefwechsel mit dem zuständigen Staatskommissar bemüht sich Hinterleitner um die Genehmigung zum Erwerb von Anteilen an der „arisierten“ Papierfabrik Steyrermühl.

Oberösterreichisches Landesarchiv Israelitische Kultusgemeinde Linz, Sch. 6.

Foto:

Kaufmännisches Vereinshaus, Landstraße 49. In diesem Haus war die Wirtschaftskammer des Gaus Oberdonau untergebracht. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz