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April 1945, Ursulinenhof

Die Wehrmachtssanitätshelferin Stefanie L. wartet wegen unerlaubter Entfernung vom Dienst im Wehrmachtsgefängnis Ursulinenhof auf ihren Prozess. Sie wird zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Das Ursulinenkloster wurde 1938 zum Großteil beschlagnahmt, die Zellen im Klausurtrakt in Gefängniszellen umfunktioniert. Die Fenster wurden bis auf einen schmalen Schlitz zugemauert und mit Eisengittern versehen. In dem so entstandenen Gefängnis befanden sich vor allem Wehrmachtsangehörige.

Aber auch politische GegnerInnen wurden hier festgehalten, etwa Margarete S., die einem französischen Kriegsgefangenen warme Socken aus dem Klosterfenster zugeworfen hatte. Viele der inhaftierten Wehrmachtsangehörigen waren wegen Fahnenflucht zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt worden.

Auch Franz Jägerstätter war hier nach seiner Wehrdienstverweigerung einige Zeit in Haft. Stefanie L., eine 18-jährige Wehrmachtssanitätshelferin aus Linz, war wegen unerlaubter Entfernung vom Dienst und „Kameradendiebstahl“ inhaftiert. In den letzten Kriegsmonaten hatte man nicht nur männliche Jugendliche im „Volkssturm“ zum Kriegseinsatz eingezogen, sondern auch junge Frauen verpflichtet. Sie arbeiteten als Sanitätshelferinnen, in der Nachrichtenübermittlung, aber auch an Flugabwehrgeschützen. Am 28. April, eine Woche vor der Befreiung, wurde die Haftstrafe von Stefanie L. „bis auf weiteres ausgesetzt.“

Literatur:

Festschrift des Kulturzentrums Ursulinenhof:
www.ursulinenhof.at/downloads/ursulinenhofhistorie.pdf

KILLUS, Rosemarie: Frauen für die Front. Gespräche mit Wehrmachtshelferinnen. Leipzig 2003.

HAUCH, Gabriella: Ein Haus als ‚Gedächtnisort‘. Ursulinenschule – Wehrmachtsgefängnis – Offenes Kulturhaus. In: Offenes Kulturhaus Linz (Hg.): Speicher. Versuche zur Darstellbarkeit von Geschichte/n. Linz 1993, S. 15 – 63.

Dokument:

Urteil des Sondergerichtes Linz vom 28. März 1945. Stefanie L. wird wegen „unerlaubter Entfernung“ und wegen – nicht näher definiertem – „Kameradendiebstahl“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Oberösterreichisches Landesarchiv, Landesgericht Linz, Sondergerichte Vrs Sch. 922.

Foto:

Landstraße 31, Ursulinenkloster.

Archiv der Stadt Linz