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15.3.1938, Graben 30

Der Zahntechniker Heinrich S. verwehrt sich in einer Annonce gegen den Verdacht, er sei Jude. Wie er, weisen unmittelbar nach dem „Anschluss“ viele Geschäftsleute ihren Betrieb als „arisch“ aus.

Die Tage nach dem „Anschluss“ waren geprägt von unorganisierter Plünderung jüdischer Geschäfte und willkürlicher Gewalt gegen ihre BesitzerInnen. Viele Nazis nutzten diese Stimmung, um sich an jüdischem Eigentum zu bereichern.

In diesen Tagen der ausufernden Gewalt war es vielen Linzer Geschäftsleuten wichtig, ihre nationalsozialistische Haltung zu zeigen oder kundzutun, dass ihr Betrieb „rein arisch“ sei. Dies zeigt sich in unzähligen Zeitungsannoncen mit Texten wie „Hier grüßt man mit ‚Heil Hitler‘“, „Parteigenossen kaufen bei ...“, „Arisches Geschäft“ usw. Heinrich S. schaltete als einer von vielen Linzer Geschäftsleuten eine solche Anzeige in einer Tageszeitung, um „einem Irrtum, der durch den Namen hervorgerufen werden könnte, vorzubeugen, und festzustellen, daß er seine deutsch-arische Abstammung (…) jederzeit nachweisen kann.“ Außerdem sei er langjähriges NSDAP-Mitglied. Er werde daher Behauptungen, er sei Jude, schärfstens ahnden.

Literatur:

OLBRICHT, Bert; ÖZER, Selim: Linz 1938. Linz 1988.

JOHN, Michael: „Bereits heute schon ganz judenfrei…“ Die jüdische Bevölkerung von Linz und der Nationalsozialismus. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 2. Linz 2001, S. 1311 – 1406.

Dokument:

In den Wochen nach dem „Anschluss“ weisen Geschäftsleute in Zeitungsanzeigen auf ihre nationalsozialistische Gesinnung und ihre „arische“ Abstammung hin.

Anzeigen aus Linzer Tageszeitungen nach dem „Anschluss“

Foto:

Graben, Blick Richtung Taubenmarkt.

Auf der rechten Straßenseite Haus Nr. 30. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz