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1942 – 1943, Landstraße 18-20

Der Gelegenheitsdieb Alois G. stiehlt hier, vor dem Gasthaus „Zur Goldenen Kanone“, ein Fahrrad. Er wird erwischt. Als „Schädling der Volksgemeinschaft“ wird er zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Der 1919 in Niederösterreich geborene Alois G. wurde schon als Neunjähriger in eine Anstalt für schwererziehbare Kinder eingewiesen. Verschiedene Versuche, eine Lehre zu absolvieren, scheiterten. Als Sechzehnjähriger begann er, sich mit Gelegenheitsdiebstählen über Wasser zu halten. Am 2. Juli 1942 flüchtete er aus dem Krankenhaus Schärding und schlug sich bis nach Linz durch. Dort wollte er mit einem Fahrrad zu seiner Mutter ins Weinviertel fahren. Beim Fahrraddiebstahl wurde er ertappt und verhaftet.

Am 18. Dezember 1942 kam es zur Anklage. G. wurde als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher “ beschrieben: „In ihm wurzelt von Jugend auf ein unausrottbarer und unüberwindlicher Hang, seinen Lebensunterhalt nicht durch ehrliche Arbeit, sondern nur durch Diebstahl zu gewinnen. Zügellos ist sein Hang zu Freiheit und sein Streben, in ihr strafbare Handlungen (Diebstähle schwerster Art) zu begehen. (…) G. stellt alles in allem den Typ des gemeinschaftsschädlichen gefährlichen Gewohnheitsverbrechers dar, dessen restlose Vertilgung aus der Gemeinschaft unabweisbare Forderung ihrer Sicherung erscheint.“

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte für G. trotz dieser harten Anschuldigung „nur“ sieben Jahre Kerker, der Richter, Dr. Ferdinand Eypeltauer, verurteilte ihn jedoch zum Tode. Das Urteil wurde am 13. April 1943 in Wien vollstreckt.

Literatur:

GARSCHA, Winfried; SCHARF, Franz: Justiz in Oberdonau. Linz 2007. Kapitel „Kriegswirtschaftsdelikte“, S. 247 – 332.

Dokument:

Nachdem ein Gnadengesuch abgelehnt worden war, wurde Alois G. am 13. April 1943 – „um 18 Uhr 44 Minuten 18 Sekunden“ – im Wiener Landesgericht wegen Diebstahl eines Fahrrades hingerichtet. Bericht des Landgerichts Wien über die Hinrichtung G.s.

Oberösterreichisches Landesarchiv, Sondergerichte Linz, Sch 732.

Foto:

Gasthaus „Zur Goldenen Kanone“, Landstraße 18-20. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz