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21.5.1938, Altstadt 12

Hans A. besucht die 2. Klasse Volksschule in Kleinmünchen. Im Mai muss er in die neu gegründete „Judenschule“ in der Altstadt wechseln, die nach dem Novemberpogrom aufgelöst wird.

In den Monaten nach dem „Anschluss“ war die Verdrängung der Juden und Jüdinnen aus dem öffentlichen Leben eines der vorrangigen Ziele der Nazis. Jüdische Kinder und Jugendliche wurden zunächst von den „arischen“ SchülerInnen getrennt und Ende Mai schließlich aus den Schulen ausgeschlossen, dies betraf auch so genannte „Halbjuden“.

Im Mai 1938 richtete die Israelitische Kultusgemeinde eine zweiklassige Schule für jüdische Kinder ein, die sie auf eigene Kosten betreiben musste. Anfangs besuchten 18 SchülerInnen die „Judenschule“. In den Sommerferien wurden im Schulgebäude Reservisten untergebracht, die bis Oktober blieben, weshalb der Schulbeginn um einen Monat verschoben wurde. Zu Schulbeginn im Herbst 1938 waren einige frühere SchülerInnen gemeinsam mit ihren Familien bereits aus Linz abgewandert. Hinzu kamen die Gymnasiasten, denen ab Herbst 1938 der Besuch ihrer bisherigen Schule verwehrt wurde. Zu Beginn des Schuljahres besuchten 24 SchülerInnen die „Judenschule“, doch schon im Lauf des Oktober verließen sieben von ihnen mit ihren Familien Linz. Als Folge des Novemberpogroms wurde die „Judenschule“ am 17. November 1938 aufgelöst.

Literatur:

DOHLE, Oskar: Die Chronik der Linzer Judenschule. In: SCHUSTER, Walter; MAYRHOFER, Fritz; SCHIMBÖCK, Maximilian (Hg.): Historisches Jahrbuch der Stadt Linz. Jg. 1997. Linz 1999, S. 409 – 424.  

DOHLE, Oskar: Schule im Linz der NS-Zeit. In: MAYRHOFER, Fritz; SCHUSTER, Walter (Hg.): Nationalsozialismus in Linz. Band 2. Linz 2001, S. 907 – 936.

Dokument:

Die Chronik der Linzer „Judenschule“ blieb erhalten, sie ist die wichtigste Quelle zu Einrichtung, Betrieb und Auflösung der Schule.

Archiv der Stadt Linz

Foto:

Im Haus Altstadt 12, dem ehemaligen „Waaghaus“, war zwischen Mai und November 1938 die „Judenschule“ untergebracht. Undatiert.

Archiv der Stadt Linz